Mann am Schreibtisch am Strand
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Ferienzeit
Wie man sich den Urlaub mit ins Büro nimmt

Die Haupturlaubszeit neigt sich dem Ende zu. Psychologe Stefan Poppelreuter gibt Tipps, was den Übergang in den Berufsalltag leichter macht.

02.09.2018

Forschung & Lehre: Der Einstieg nach dem Urlaub fällt oftmals schwer – selbst denjenigen, die ihre Arbeit grundsätzlich gerne machen. Woran liegt das?

Stefan Poppelreuter: Es sind die Unterschiede, auf die sich der Körper erst einmal einstellen muss: Man kommt aus einem hoffentlich erholsamen Urlaub mit schönen Eindrücken, netten Menschen und spannenden Situationen zurück an einen Arbeitsplatz, an dem ein durchgetakteter Zeitplan mit Terminen und Abgabefristen wartet. Das kann erst einmal zu Widerstreben und Lustlosigkeit führen. Oft erledigen wir unsere Aufgaben nach einem Urlaub nicht energiegeladener und schneller als vorher. Im Gegenteil: Wir sind langsamer und bestimmte Routinen gehen uns nicht mehr so flott von der Hand, wie es vor dem Urlaub der Fall war. Besonders groß sind die Umstellung und damit der Stress für Körper und Seele, wenn sie zusätzlich mit Zeit- und Klimaverschiebungen klarkommen müssen.

F&L: Der eine ist im Urlaub viel unterwegs, der andere bewegt sich so wenig wie möglich. Hat die Urlaubsgestaltung Einfluss darauf, wie leicht ich wieder in den Berufsalltag zurückfinde?

Stefan Poppelreuter: Natürlich ist der Unterschied zwischen Urlaubs- und Arbeitsalltag für diejenigen nicht so groß, die ihre Urlaubstage so ähnlich verbringen wie ihre Arbeitstage – die also beispielsweise auch im Urlaub berufsbezogene Literatur lesen oder den Urlaub streng durchterminieren mit Besichtigungen, Aktivitäten und Verabredungen. Ausschlaggebend für den Wiedereinstieg ist letztlich aber die innere Einstellung: Habe ich Freude an meinem Job oder nicht?

Dr. Stefan Poppelreuter
Dr. Stefan Poppelreuter ist Experte für Arbeitssucht. Die lässt Menschen auch im Urlaub nicht los. privat

F&L: Wie sollte ich meinen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub am besten angehen?

Stefan Poppelreuter: Es geht in erster Linie darum, sich langsam wieder an die Alltagsverhältnisse zu gewöhnen. Ich starte zum Beispiel mit organisatorischen Aufgaben, mit Dingen, die ich schnell abhaken kann. Das ist besser als direkt thematisch einzusteigen. Auch sollte ich mir Zeit nehmen, Kolleginnen und Kollegen von meinem Urlaub zu berichten, wenn ich das möchte, und zu hören, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Falls möglich, sollte man keine Termine für den ersten Arbeitstag ausmachen. Ein Stück weit kann ich mir die Erholung auch mit ins Büro nehmen, in dem ich mir ein neues Hintergrundbild einrichte oder ein Souvenir aus dem Urlaub mit ins Büro nehme. Zudem tut es den meisten gut, sich zwischendurch mit Familie und Freunden noch einmal über den Urlaub auszutauschen und sich an schöne Erlebnisse zu erinnern.

F&L: Was kann ich vor dem Urlaub tun, um möglichst gut abzuschalten?

Stefan Poppelreuter: Für ganz wichtig halte ich, den Schreibtisch aufzuräumen. So erschlägt mich nach meiner Rückkehr auch nicht direkt ein Berg an Arbeit, den es zu bewältigen gilt. Aufgaben sollte ich vor dem Urlaub abschließen oder zumindest so weit bringen, dass ich einen gedanklichen Break machen oder eine Kollegin oder ein Kollege daran weiterarbeiten kann. Ansonsten nehme ich die Aufgaben in meinem Kopf mit in den Urlaub. Wir haben nämlich das Bedürfnis, Dinge abzuschließen. Unerledigtes steht unserer Erholung im Weg.

Die Fragen stellte Katrin Schmermund.