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San Francisco
"Zoom" begrenzt Redefreiheit an US-Uni

Zwei Dozentinnen in den USA haben eine virtuelle Podiumsdiskussion mit einer Terroristin organisiert. Der Videodienst "Zoom" verweigerte den Stream.

25.09.2020

Eine Professorin und eine Hochschullehrerin an der Universität von San Francisco haben für vergangenen Mittwoch eine virtuelle Podiumsdiskussion über die Rechte der Palästinenser organisiert – und sind an den Streamingdiensten gescheitert. Als Gesprächspartner luden sie Leila Khaled ein, selbsternannte Freiheitskämpferin und umstrittene Terroristin. Die Gastauswahl der Hochschullehrerinnen stieß auf harsche Kritik in der Öffentlichkeit. Der Videodienst "Zoom" verweigerte ihnen daraufhin, die Veranstaltung über seine Plattform zu streamen. "Youtube" brach den Ersatzstream ab. Das berichtete die Online-Zeitschrift "Inside Higher Ed" am Freitag.

Khaled ist führendes Mitglied der terroristischen Vereinigung "Popular Front", der "Volksfront zur Befreiung Palästinas". Die Veranstalterinnen – Professorin Rabab Abdulhadi und Tomomi Kinukawa – beschrieben Khaled in ihrer digitalen Einladung als "Palästinensische Feministin, Militante und Führerin". Khaled ist laut Bericht zudem eine der beiden Terroristen, die in ihrem Bestreben, Palästina zu befreien, 1969 ein Passagierflugzeug entführt haben. Dabei hätten sie zwei Passagiere für Monate als Geißeln genommen. 1970 sei Khaled der Versuch einer erneuten Flugzeugentführung misslungen, für beide Taten sei sie nie verurteilt worden. Heute lebe Khaled in Jordanien und engagiere sich weiter in den arabisch-israelischen Beziehungen, gegen Israel, wie viele meinten.

86 Organisationen, darunter viele Wissenschaftsvertreter, haben dem Bericht zufolge gemeinsam von der Uni die Absage der Veranstaltung gefordert und setzten Zoom unter Druck, den Dienst zu verweigern. Sie warfen den Dozentinnen Missbrauch der Wissenschaftsfreiheit vor. Die Universität habe die Hochschullehrer jedoch in ihrem Recht auf Redefreiheit unterstützt. Zoom habe hingegen einen Tag vor der geplanten Podiumsdiskussion mitgeteilt, die Veranstaltung nicht durchzuführen. Die Organisatorinnen hätten die Veranstaltung stattdessen über Youtube gestreamed. Die Plattform habe die Übertragung unter Druck der Öffentlichkeit jedoch nach 20 Minuten abgebrochen. Facebook habe Werbematerial für das Event von seinen Seiten entfernt.

Gastauswahl widerspricht Nutzungsbedingungen von "Zoom"

Zoom habe über einen Sprecher mitgeteilt, sein Service wolle den offenen Ideenaustausch und Dialog unterstützen, unterliege jedoch auch den Anti-Terrorismus-Gesetzen der USA. Die Podiumsdiskussion mit Leila Khaled habe entsprechend den Nutzungsbedingungen der Plattform widersprochen. Ähnlich hätten sich Youtube und Facebook zu ihren Richtlinien und der Veranstaltung geäußert.

In dem gemeinsamen Brief werfen die Kritikerinnen und Kritiker Professorin Abdulhadi vor, ihre Anstellung an der Universität für private Zwecke missbraucht zu haben. Sie sei in einer akademischen Boycott-Bewegung gegen Israel aktiv. Mit der Veranstaltung habe sie ihre Studierenden um ihr Recht auf unparteiische Lehre betrogen und das gesellschaftliche Vertrauen in die Universität beschädigt.

Die Universität verteidigte laut Bericht auch im Nachgang vehement die Lehrfreiheit ihrer Angehörigen. "Insbesondere Universitäten sollten Orte sein, um zu debattieren und Komplexitäten in Frage zu stellen", sagte Universitätspräsidentin Lynn Mahoney laut "Inside Higher Ed". Sie glaube nicht, dass die Lehrveranstaltung gegen die Nutzungsbedingungen von Zoom oder gegen das Gesetz verstoßen habe.

ckr

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