Studie
Zugewanderte stehen zu demokratischen Grundwerten
Europaweit teilen Migrantinnen und Migranten Grundwerte der Demokratie wie freie Wahlen, gleiche Rechte, Minderheitenschutz und unabhängige Gerichte. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie eines Forschungsteams der Universität Mannheim um Soziologieprofessor Marc Helbling. Dafür wurden Daten des European Social Surveys (ESS) und des deutschen Integrationsbarometers des Sachverständigenrats für Integration und Migration analysiert.
Hohe Zustimmung zu demokratischen Grundwerten gibt es der Studie zufolge sowohl unter Migrantinnen und Migranten aus demokratischen Herkunftsländern als auch unter Zugewanderten aus autoritären Ländern. Auf der Skala des ESS liege die durchschnittliche Zustimmung europaweit bei 8,56 Punkten gegenüber 8,48 Punkten bei Personen ohne Migrationshintergrund. Für Deutschland zeige das Integrationsbarometer nahezu identische Werte zwischen beiden Gruppen (2,67 beziehungsweise 2,66 auf einer Skala zwischen null und drei). "Diese jeweils sehr hohen Durchschnittswerte unterscheiden sich bei den einzelnen Personengruppen kaum", erläutert Helbling in einer Pressemitteilung.
Antidemokratische Minderheiten in allen Bevölkerungsgruppen
Allerdings gibt es der Studie zufolge einen leichten, aber statistisch signifikanten Unterschied zwischen Migrantinnen und Migranten aus stark autoritären Ländern wie Eritrea, Saudi-Arabien oder Iran sowie Zugewanderten aus demokratischeren Ländern wie Indien, der Türkei oder Rumänien: "Wer viele Jahre in einem sehr autoritären System lebt, entwickelt tendentiell etwas schwächere demokratische Einstellungen", so Helbling. "Der Unterschied ist allerdings wirklich klein." Grundsätzlich würden demokratische Überzeugungen über kulturelle und nationale Grenzen hinweg geteilt und sich mit zunehmender demokratischer Lebenserfahrung verfestigen.
Unter den Zugewanderten befinde sich jedoch auch eine kleine Minderheit, die demokratische Werte ablehne. Laut Forschungsteam liegt der prozentuale Anteil dieser Gruppe im mittleren einstelligen Bereich, was ziemlich genau dem Wert unter Personen ohne Migrationshintergrund entspreche. "Unsere Analysen zeigen, dass antidemokratische Haltungen kein spezifisches Migrationsphänomen sind", resümiert Helbling. Kritische Minderheiten gebe es in allen Bevölkerungsgruppen.
Die Studie "Liberal democratic values among immigrants in Europe: Socialisation and adaptation processes" erschien im Oktober 2025 im European Journal of Political Research. Zuerst berichtete der Tagesspiegel.
hes