Eine Politikerin mit braunen, kurzen Haare, Brille und dunklem Anzug steht bei einer Pressekonferenz neben der Deutschlandfahne und dem im Hintergrund lesbaren Aufdruck "Bundesministerium für Bildung und Forschung".
BMBF

Energie-Technologie
Neues Förderprogramm zur Fusionsforschung

Bis 2040 soll das erste Fusionskraftwerk in Deutschland entstehen. Stark-Watzinger forderte nun ein eigenes Gesetz für die Zukunftstechnologie.

22.04.2024

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) will die mögliche Energiegewinnung aus Kernfusion in einem eigenen Gesetz regeln. Kraftwerke auf der Basis von Kernfusion gelten als Zukunftstechnologie, die die Energieprobleme der Menschheit lösen könnte - allerdings besteht diese Hoffnung schon seit Jahrzehnten. Als erstes Land weltweit soll Deutschland nun nach dem Willen der Ministerin die Rahmenbedingungen dafür gesetzlich regeln: "Unternehmen und Investoren benötigen Rechts- und Planungssicherheit", sagte die FDP-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). "Deshalb wollen wir innovationsfreundliche Regelungen."

Das bestehende Atomgesetz, für das Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zuständig ist, passe hierfür nicht, meinte Stark-Watzinger, denn es handele sich um "unterschiedliche Technologien mit unterschiedlichen Risiken". Noch in diesem Jahr solle ein entsprechendes Pilotprojekt für einen Rechtsrahmen in engem Austausch mit der Wissenschaft gestartet werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vor kurzem ebenfalls angeregt, einen besseren rechtlichen Rahmen für die Kernfusionsforschung in Europa zu schaffen. 

Förderprogramm "Fusion 2024"

Mitte März hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sein neues Förderprogramm "Fusion 2040 – Forschung auf dem Weg zum Fusionskraftwerk" vorgestellt. Damit will es, so sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger bei der Präsentation, "den Weg zum ersten Fusionskraftwerk in Deutschland ebnen". Dafür soll ein Fusionsökosystem aus Industrie, Start-Ups und Wissenschaft aufgebaut werden, das vorhandene Stärken Deutschlands bündeln und Synergien schaffen soll. 

"Ich möchte, dass wir in Deutschland unter den Ersten dabei sind, die ein Fusionskraftwerk bauen", so Stark-Watzinger. Die Energiekrise habe uns vor Augen geführt, wie wichtig eine saubere, verlässliche und bezahlbare Energieversorgung sei. "Fusion ist dabei die riesige Chance, all unsere Energieprobleme zu lösen", sagt sie. Deutschland biete durch seine exzellente Forschungslandschaft und seine starke Industrie hervorragende Voraussetzungen für den Bau von Fusionskraftwerken. 

Fusionskraftwerk konkret planen und fördern 

"Durch steigende Investitionen", so heißt es in dem BMBF-Programm, könnte der Bau eines solchen Kraftwerkes "schon vor der Jahrhundertmitte" realisiert werden. Nachdem das Programm im Juni 2023 im Positionspapier Fusionsforschung angekündigt worden war, unterstützt das BMBF es finanziell mit zwei Förderlinien. Nicht nur mit der bestehenden institutionellen, sondern mit einem neuem Projektförderprogramm. 

Bis 2028 Jahren sollen dadurch rund eine Milliarde Euro in die Fusionsforschung investiert werden. Laut dem Programm führt der Weg zum Fusionskraftwerk durch drei Phasen: 

  1. Forschungs-und Entwicklungsphase (bis 2030) 
  2. Transferphase (2030-2040)  
  3. Betriebsphase (ab 2040) 

Das neue Programm "Fusion 2040" unterteilt die Forschungsthemen und Handlungsfelder in "wissenschaftlich-technische Fragestellungen" und "das Ökosystem gestalten". 

Kurz erklärt: "Fusionsenergie" 

Fusion ist die Energiequelle der Sonne und aller anderen Sterne und damit die bedeutsamste Energiequelle im Universum. Bei der Kernfusion werden Atomkerne wie jene des Wasserstoffs bei extremen Temperaturen miteinander verschmolzen. Dabei werden enorme Mengen Energie freigesetzt. Herkömmliche Atomkraftwerke gewinnen Energie dagegen aus der Spaltung von Atomkernen.

Mit Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam umsetzen 

Das Programm soll als eine Form einer Public-Private-Partnership (PPP) umgesetzt werden, "um den Bau eines Fusionskraftwerks möglichst schnell zu erreichen", so das BMBF. Projekte zu konkreten Teiltechnologien von Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Industrie sollen gemeinsam durchgeführt werden. 

"Hierdurch können neue Erkenntnisse aus der Forschung frühzeitig aufgegriffen und Know-how an die heimische Industrie zur weiteren Verwertung transferiert werden", teilte das BMBF mit. Verbundprojekte unter Beteiligung von Industrie und Wissenschaft sollen laut dem Programm "je nach Bedarf durch gemeinsame Testeinrichtungen ergänzt werden." Zu einem späteren Zeitpunkt können die vom BMBF geförderten Hubs zu "Leitprojekten mit noch stärkerer Beteiligung der Industrie weiterentwickelt werden". 

Angepasste Förderformate und Anreize für die Wissenschaft

Zudem soll es laut “Fusion 2040“-Programm neue angepasste Förderformate geben. Dazu gehört das Errichten einer Leitstelle "Fusionsforschung/Fusionsenergie", als Anlaufstelle für Unternehmen, um diese zu vernetzen und beraten. Dafür soll es nicht nur eine Fach-Website, sondern auch entsprechende Veranstaltungen geben. Zu letzterem sollen der regelmäßige BMBF-Kongress Fusionsforschung gehören, sowie Messeauftritte, Workshops und Beteiligung an wissenschaftlichen Themenwochen. 

Aber nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch die Wissenschaft sollen Anreize geschaffen werden. Das Programm schlägt vor Nachwuchsgruppen an Hochschulen, Doktoranden und Postdocs gezielt zu fördern. Zudem will der BMBF jährlich einen Innovationspreis vergeben. Der Erhalt und Ausbau essenzieller Infrastrukturen, europäische und internationale Kooperation, die Einbindung der Öffentlichkeit sowie die Regulierung und Gestaltung eines Rechtsrahmens werden im Programm als weitere wichtige Maßnahmen des BMBF genannt.

Dieser Artikel wurde am 22.04. um 9:45 Uhr aktualisiert. Erstmals erschienen ist er am 14.03.

kfi/dpa