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06 | Juni 2017 Artikel versenden Artikel drucken

AG Med: Forschungsleistungen stärker qualitativ beurteilen

Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin (AG Med) sieht erhebliche Defizite in der derzeitigen Bewertung von Forschungsleistungen. So beruhe das Bewertungssystem individueller Forschungsleistungen in der Praxis sowohl bei der Bestenauslese im Berufungsverfahren als auch bei der leistungsorientierten Mittelvergabe überwiegend auf einer Feststellung der Drittmitteleinwerbungs-Volumina und der Publikationsleistung.

Als bibliometrischer Indikator zur Bewertung der Forschungsleistung werde hierbei häufig unreflektiert auf den Journal Impact-Faktor Bezug genommen, der ursprünglich als Hilfestellung für Bibliotheken bei der Auswahl der zu abonnierenden Zeitschriften entwickelt wurde. Zur Bewertung von individuellen Forschungsleistungen tauge der Faktor nicht, weil er nur Aussagen über die Zitierhäufigkeit einer Zeitschrift, nicht jedoch über die Zitierhäufigkeit eines einzelnen Artikels treffe. Es erscheine daher nicht länger vertretbar, dem „Impact“ als alleinigen oder auch nur ausschlaggebenden Faktor für die Qualität und den darin liegenden wissenschaftlichen Fortschritt zu qualifizieren.

Nach Auffassung der AG Med ist die Anzahl der individuellen Zitationen auch kein verlässlicher Indikator guter Forschung, da eine hohe Zitationsrate unterschiedliche Gründe haben könne. Zitationsraten könnten eine qualitative Bewertung der Publikationsleistungen nicht ersetzen. Für die Wirkung eines wissenschaftlichen Artikels in der jeweiligen Fachgemeinschaft sei die Zitationshäufigkeit nur einer von vielen Indikatoren. Rein additive Betrachtungen der jeweiligen Impact-Faktoren liefen auf wissenschaftsfremde quantitative Zählungen hinaus. „Die Quantität von Forschungsleistungen ist aber nicht mit deren Qualität zu verwechseln; die Quantität schlägt auch nicht irgendwann in Qualität um“, betonen die Hochschulmediziner.

Zudem bleibe für die wissenschaftliche Forschung Output wichtiger als Input. Auch wenn wettbewerblich errungene Drittmittel für die Universitäten einen wichtigen Erfolgsfaktor darstellten, lebe wissenschaftliche Forschung in erster Linie von Publikationen und Patenten. „Die Voraussetzung für Forschung durch eingeworbene Drittmittel dürfe nicht mit der Forschung selbst verwechselt werden“, so die Hochschulmediziner. Sie forderten die Universitäten auf, bei der Evaluation von Forschungsleistungen vermehrt und zusätzlich wissenschaftsadäquate Indikatoren vorzusehen. In Betracht kämen nach Auffassung der AG Med z.B. die Bewertung der Nachwuchsförderung, Forschungspreise, Patente und klinische Studien.


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