Nachrichten
02 | Februar 2013 Artikel versenden Artikel drucken

Plagiatsverfahren gegen Schavan spaltet die Wissenschaft

Nach der Einleitung eines Verfahrens zur möglichen Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf geht Bundesbildungsministerin Annette Schavan in die Offensive. Schavan sagte in einer schriftlich verbreiteten Erklärung nach der Entscheidung, die intensive Beschäftigung mit dem Text ihrer Dissertation habe sie in der Überzeugung bestärkt, dass ihre Dissertation kein Plagiat sei und die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden würden.

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hatte zuvor beschlossen, das Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Annette Schavan zu eröffnen. In den nächsten Wochen werden sich die Mitglieder des Rates intensiv mit den Unterlagen des Promotionsausschusses und der Stellungnahme der Betroffenen auseinandersetzen. Für den 5. Februar sei eine weitere Sitzung des Fakultätsrates einberufen. Das Verfahren sei ergebnisoffen, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Bruno Bleckmann. „Wenn wir als Fakultät substantielle Anzeichen eines solchen wissenschaftlichen Fehlverhaltens erkennen, müssen wir dem konsequent nachgehen – und zwar unabhängig von der Person und ihrer Position. Das Recht sieht für solche Fälle auch keine Verjährung vor“, betonte Bleckmann.

Der Entscheidung der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf ist eine heftige Debatte um die Korrektheit des Verfahrens vorangegangen. So hatte die Allianz der Wissenschaftsorganisationen das Verfahren öffentlich kritisiert, ein externer Rechtsgutachter wiederum die Position der Universität Düsseldorf gestärkt. „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass rechtlich relevante Verfahrensfehler nicht festzustellen sind. Die Fakultät hat die nach geltendem Recht erforderlichen Prüfungen ordnungsgemäß durchgeführt. Auch die Verfahrensführung lässt keinen Grund zur Beanstandung erkennen,“ heißt es in dem Gutachten des Bonner Wissenschaftsrechtlers Gärditz. Der Philosophische Fakultätentag wie auch der DHV unterstützten die Universität. Der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen, sagte: „Die Berufsvertretung der Wissenschaftler hat volles Vertrauen, dass die Universität Düsseldorf im Plagiatsfall Schavan ein rechtmäßiges und ordnungsgemäßes Verfahren durchführt. Dies hat auch das Gutachten des Kollegen Gärditz eindrucksvoll bestätigt.“ Die Universität Düsseldorf sei Herrin des Verfahrens, die Allianz hieran nicht beteiligt. „Daher wäre Zurückhaltung angezeigt“, erklärte Kempen. Auch der Verweis auf die Richtlinien der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, die laut Allianz als Grundlage für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten gelten müssten, führe in die Irre: „Rechtlich unverbindliche Empfehlungen können geltendes Recht nicht ersetzen,“ betonte Kempen. „Hochrangige Vertreter der Wissenschaft erweisen der Wissenschaft einen Bärendienst, wenn sie den fatalen Eindruck entstehen lassen, politisch wünschenswerte Ergebnisse könnten öffentlich herbeigeredet werden“, so Kempen weiter. „Die Universität Düsseldorf verdient Anerkennung und Respekt. Statt ein rechtlich einwandfreies Verfahren zu diskreditieren und die Hochschule unter Druck zu setzen, sollten alle Beteiligten den Fakultätsrat seine Arbeit verrichten lassen.“


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken