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09 | September 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Bundesverfassungsgericht prüft NC für das Medizinstudium

Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) prüft am 4. Oktober in einer mündlichen Verhandlung die Vergaberichtlinien im Hochschulrahmengesetz (HRG) für Studienplätze im Fach Humanmedizin. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte laut einer Mitteilung des BVerfG die Frage aufgeworfen, ob das Vergabeverfahren noch dessen in der Verfassung festgeschriebenen Grundsätzen entspräche. Es beklagt etwa, dass der Verzicht auf sogenannte Landesquoten im Auswahlverfahren der Hochschulen aufgrund der mangelnden Vergleichbarkeit der Abiturnoten das Teilhaberecht der Studienplatzbewerber verletze. Darüber hinaus sei die Wartezeitquote „gleichheitswidrig“. Denn bereits lange wartende Bewerberinnen und Bewerber könnten leicht von „später hinzukommenden Gelegenheitsbewerbern ‚überholt‘ werden“. Die Wartezeit macht nach aktueller Regelung 20 Prozent der Quote für den Erhalt eines Studienplatzes aus. Weitere 20 und 60 Prozent entfallen auf die Abiturnote und eigenständig vergebene Kriterien der Hochschulen, zu denen auch wiederum die Abiturnote gehören könne. Bei vielen Hochschulen sei es laut dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sogar das einzige Kriterium – ein Punkt, den das Gericht ebenfalls bemängelte.
Geklagt hatten laut „Spiegel Online“ zwei Studienplatzbewerber, die wegen ihrer Abiturnoten abgelehnt worden waren. Einer von ihnen sei ein ausgebildeter Rettungssanitäter und habe den Medizinertest überdurchschnittlich gut bestanden. Die Klägerin sei eine ausgebildete Krankenpflegerin. Eine schnelle Regelung erwartet einer der Anwälte der Kläger laut „Spiegel Online“ nicht. Der Vorgang liege bereits drei Jahre beim Bundesverfassungsgericht.

Im Vorgriff auf das Karlsruher Urteil haben die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) einen Vorschlag für ein alternatives Auswahlverfahren vorgelegt. In einem ersten Schritt sollten demnach 50 Prozent der Plätze nach einer zentralen Bewertung nach Abiturnote, Eignungstests – Studierfähigkeitstests und sogenannten „Situational Judgement Tests“ – sowie berufspraktischen Erfahrungen vergeben werden. Die andere Hälfte könne einem standortspezifischen Auswahlverfahren oder ebenfalls den zentralen Bewertungskriterien folgen.

Die Frage, ob die geltenden Regelungen noch zeitgemäß sind, drängt wegen der ansteigenden Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern für ein Studium der Humanmedizin. Während im Wintersemester 1994/95 laut BVerG 15 753 Bewerbende auf 7.366 Studienplätze im Fachbereich Medizin kamen, sind es laut Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) 2017/2018 43.184 auf 9.176 Plätze. In 14 von 16 Bundesländern brauch­ten Interessierte daher aktuell einen Schnitt von 1,0. Für eine Zulassung über die Wartezeitquote warteten sie damit aktuell 14 Semester.


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