Nachrichten
03 | März 2013 Artikel versenden Artikel drucken

Schavan: „Ich habe weder abgeschrieben noch getäuscht“

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Professor Bernhard Kempen, hat den Rücktritt von Annette Schavan vom Amt der Bundesbildungsministerin am 9. Februar 2013 als „notwendig und folgerichtig“ bezeichnet. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung hatte ihr Amt nach der Aberkennung ihres Doktorgrades durch den Fakultätsrat der Universität Düsseldorf niedergelegt. „Auch wenn gegen diese Entscheidung noch der Rechtsweg offen steht, ist Frau Schavan seit dieser Entscheidung für das wahrzunehmende Amt einer Bundesbildungsministerin beschädigt,“ so Kempen. Mit ihrem Rücktritt wende Schavan Schaden sowohl von der Wissenschaft als auch vom politischen Amt des Bundesministers für Bildung und Forschung ab. Für ihre politischen Leistungen verdiene sie Anerkennung, für den Rücktritt Respekt.

Die Allianz von Wissenschaftsorganisationen hat in einer Presseerklärung mit großem Respekt und mit Bedauern auf den Rücktritt von Annette Schavan als Bundesbildungsministerin reagiert. In den vergangenen sieben Jahren habe Frau Schavan sehr wichtige und deutliche Akzente für die Stärkung von Wissenschaft und Forschung in Deutschland und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und Hochschulen gesetzt, die fortwirken werden. Mit ihrem hohen persönlichen Engagement und ihrem unermüdlichen Einsatz für die Belange der Wissenschaft in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur habe Frau Schavan sich große Anerkennung in der Wissenschaft und bei den Wissenschaftlern in Deutschland erworben. Ihre Verdienste würden ihre Amtszeit überdauern.

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hatte Annette Schavan am 5. Februar den Doktorgrad aberkannt. In der Dissertation von Frau Schavan seien „in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden. „Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte,“ heißt es in der Erklärung des Fakultätsrates.

Mit zwölf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung hat der Rat dann in geheimer Abstimmung abschließend entschieden, die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen.

Bei ihrem Rücktritt am 9. Februar sagte Annette Schavan, dass sie diese Entscheidung der Fakultät nicht akzeptieren und dagegen klagen werde. „Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht. Die Vorwürfe – das habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach gesagt – treffen mich tief.“

Unterdessen berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass Annette Schavan es ablehne, die Unterlagen ihres Plagiatsverfahrens offenzulegen. Es sei nicht sinnvoll, dies weiter in der Öffentlichkeit zu diskutieren, sagte laut SZ der Anwalt Schavans. Zuvor hatte die Universität Düsseldorf angeboten, die Unterlagen offenzulegen, die zu der Entscheidung führten.

Zur neuen Bundesministerin für Bildung und Forschung ernannt wurde die bisherige Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Professor Johanna Wanka.

Siehe zum Thema die ausführlichen Dokumentationen in Forschung & Lehre 3/2013, S. 176.


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken