Das Foto zeigt bunte Spielsteine mit Buchstaben, die das Wort Sprache ergeben
picture alliance/ZB

UNESCO Jede zweite Sprache vom Aussterben bedroht

Es werden weltweit immer weniger verschiedene Sprachen gesprochen. Dies hat Folgen für Kultur, Tradition und Wissenschaft.

21.02.2018

Heute ist der Internationale Tag der Muttersprache. Er wird auf Vorschlag der UNESCO von den Vereinten Nationen seit 2000 jährlich am 21. Februar begangen. Der Tag soll an die Bedeutung des Kulturgutes Sprache erinnern, die Sprachenvielfalt und den Gebrauch der Muttersprache fördern sowie das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen stärken.

Die UNESCO erinnert aus diesem Grund daran, dass von den rund 6.000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, die Hälfte vom Verschwinden bedroht sei. Statistisch gesehen stirbt alle zwei Wochen eine Sprache aus.  Fast fünfzig Prozent der Weltbevölkerung spricht hingegen mindestens eine der elf Hauptsprachen Mandarin-Chinesisch, Englisch, Spanisch, Hindi, Arabisch, Portugiesisch, Bengali, Russisch oder eine der kleineren Hauptsprachen Japanisch, Französisch und Deutsch.

Der interaktive UNESCO-Weltatlas der bedrohten Sprachen listet diese Sprachen nach Region und Bedrohungsgrad auf. So sprechen in Deutschland immer weniger Menschen Bairisch, Alemannisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Moselfränkisch, Niedersächsisch, Limburgisch-Ripuarisch, Sorbisch oder Jiddisch. Als ernsthaft bedroht gelten Nordfriesisch und Saterfriesisch sowie Jütländisch und das von Sinti und Roma gesprochene Romani. Nichtsdestotrotz werden bei der muttersprachlichen Bildung weltweit Fortschritte gemacht. Kindern wird häufiger ein Dialekt beigebracht. Auch in der Öffentlichkeit wird häufiger mit Dialekt gesprochen.

Deutsch als Wissenschaftssprache

Auch für Wissenschaftler ist der schwindende Gebrauch der Muttersprache seit vielen Jahren ein Thema. So müssen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer ihre Forschungsergebnisse zunehmend in englischer Sprache veröffentlichen. Der Anteil der wissenschaftlichen Publikationen in englischer Sprache beträgt heute weltweit über 90 Prozent. Nur noch ein Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen wird auf Deutsch veröffentlicht. Auch die Zahl der wissenschaftlichen Tagungen in Deutschland, die ausschließlich in englischer Sprache abgehalten werden, nimmt zu. Immer mehr Vorlesungen an deutschen Universitäten werden in Englisch angeboten. Nach Ansicht zahlreicher Hochschullehrer verliere das Deutsche als Sprache der Wissenschaft an Bedeutung. Die Folge davon sei, dass ihre wissenschaftliche Karriere auch vom Gebrauch des Englischen abhänge.

Deshalb plädiert der Deutsche Hochschulverband seit langem für eine "bewusst gestaltete Mehrsprachigkeit". Hochschullehrer müssten frei wählen können, in welcher Sprache sie lehren und ihre Forschungsergebnisse publizieren wollen. Dies gehöre zur grundgesetzlich garantierten Freiheit von Forschung und Lehre. Ein staatlich verordneter Zwang zur Verwendung des Deutschen oder des Englischen sei aus kulturpolitischen Gründen abzulehnen. Auch solle die akademische Lehre an deutschen Universitäten grundsätzlich in deutscher Sprache erfolgen. Davon unberührt seien jene philologischen Disziplinen, in denen akademische Lehre in einer Fremdsprache im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung sinnvoll und geboten sei. Darüber hinaus stehe es den Universitäten frei, für einzelne, besonders international ausgerichtete Studiengänge eine Veranstaltung in englischer Sprache anzubieten.

Plädoyer für eine mehrsprachige Wissenschaft

Die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Goethe-Institute und die Hochschulrektorenkonferenz hatten im Jahr 2009 in einer gemeinsamen Erklärung für eine mehrsprachige Wissenschaft plädiert. Die Internationalisierung der Wissenschaft bedeute, dass sich eine mehrsprachige Wissenschaftsgemeinschaft herausbilde, die das Englische als lingua franca der Wissenschaft gebrauche. Darüber hinaus aber gebe sie die eigene Sprache nicht auf, sondern sei vielmehr in dieser Sprache so erfolgreich, dass ausländische Kollegen und Nachwuchskräfte sie sich aneignen wollten. Je attraktiver ein Standort für Forschung und Lehre sei, je eher werde auch die dortige Sprache in- und außerhalb der Hochschulen gesprochen.

Historisch nimmt der Tag der Muttersprache Bezug auf den 21. Februar 1952. An diesem Tag fand in Dhaka, der Hauptstadt des damaligen Ost-Pakistan, eine Demonstration gegen den Beschluss der Regierung statt, die Sprache Urdu zur Amtssprache zu erheben.

gri