Staatliche Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit
CEU zieht aus Ungarn weg

Jetzt ist es offiziell: Die Central European University zieht auf Druck der Regierung aus Ungarn weg. Künftig wird in Wien gelehrt und geforscht.

03.12.2018

Auf Druck der Regierung Ungarns verlegt die vom US-Philantropen George Soros gegründete Zentraleuropäische Universität (CEU) ihre in den USA akkreditierten Studienprogramme aus Budapest nach Wien. Das gab die CEU am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

Die Regierung in Budapest hatte es demnach unterlassen, den rechtlichen Rahmen für den Weiterbestand der Lehranstalt zu garantieren. Ob die in Ungarn akkreditierten Studiengänge weiter in Budapest bleiben, war zunächst unklar.

Ungarn hatte 2017 ein Gesetz beschlossen, das neue Bedingungen für den Betrieb ausländischer Universitäten vorsieht. Die Lehranstalt muss demnach in ihrem Heimatland ebenfalls eine Lehrtätigkeit ausüben und es muss für den Betrieb in Ungarn ein bilaterales Abkommen auf Regierungsebene geben.

Abkommen zum Verbleib unterschriftsreif ausgehandelt

Im Fall der CEU wäre das ein Abkommen zwischen dem US-Staat New York und Ungarns Regierung gewesen. Das Abkommen war nach Angaben der CEU seit Monaten unterschriftsreif ausgehandelt worden, jedoch habe sich Budapest geweigert, es zu unterschreiben.

Das auch "Lex CEU" genannte Hochschulgesetz zielte nach Meinung von Kritikern darauf ab, die CEU zum Verlassen des Landes zu zwingen. Die Universität ist der ungarischen Regierung wegen des dort herrschenden liberalen Geistes ein Dorn im Auge. Die Zentraleuropäische Universität besteht aus zwei Institutionen: der CEU, die US-Diplome vergibt, und der KEE, die ungarische Zeugnisse erteilt.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hieß die CEU nach der Entscheidung am Montag herzlich in Österreichs Hauptstadt willkommen. "Die CEU hat sich ihre Entscheidung, Budapest zu verlassen, nicht leicht gemacht. Umso wichtiger ist es jetzt, dieser renommierten und gleichzeitig so sozial ausgerichteten Universität ein herzliches Willkommen zu bereiten", sagte Ludwig einer Mitteilung zufolge. "Mir ist wichtig, dass sowohl das Lehrpersonal als auch die Studierenden einen guten Start hier in unserer Stadt haben."

dpa