Das Foto zeigt eine Weinflasche mit zwei Gläsern.
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Medizin
Schon mäßiger Alkoholkonsum verkürzt das Leben

Dass der regelmäßige Genuss von Alkohol negative Folgen für die Gesundheit hat, ist bekannt. Eine neue Untersuchung zieht die Grenzen enger.

15.04.2018

Ein regelmäßiger Konsum von mehr als 100 Gramm Alkohol pro Woche verkürzt das Leben erheblich. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung eines internationalen Forscherkonsortiums, an der auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) beteiligt war. Demnach riskieren Menschen, die dauerhaft mehr als zwei Liter Bier oder eine Flasche Wein pro Woche konsumieren, mehr Schlaganfälle und Herzversagen sowie eine insgesamt höhere Gesamtsterblichkeit.

In der Untersuchung verglichen die Wissenschaftler unter der Leitung von Angela M. Wood und John Danesh, Universität Cambridge, die Trinkgewohnheiten von 600.000 Menschen aus 19 Ländern weltweit. Die Daten stammten aus 83 prospektiven Studien, die zwischen 1964 und 2014 erhoben worden waren. Bei der Auswertung wurden Alter, Tabakkonsum, Bildungsniveau und Beruf berücksichtigt.

Mit höherem Alkoholkonsum steigt laut DKFZ das Sterblichkeitsrisiko: Ein Alkoholkonsum von mehr 200 g pro Woche verkürzt die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre, trinkt man über 350 g pro Woche sind es sogar um bis zu fünf Jahre. Die Wissenschaftler fanden keine nennenswerten Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der alkoholbedingten Sterblichkeit. 

Empfehlungen zu risikoarmem Alkoholkonsum variieren weltweit

Die Forscher hätten auch in dieser Studie das bekannte Phänomen beobachtet, dass bei moderatem Alkoholkonsum weniger Herzinfarkte aufträten. Doch insgesamt stellten die Ergebnisse die weitverbreitete Annahme in Frage, dass sich moderates Trinken günstig auf die Sterberate an Herz-Kreislauferkrankungen auswirkt, berichtet das DKFZ.

Die Empfehlungen zum gesundheitlich risikoarmen Alkoholkonsum variieren innerhalb der westlichen Länder derzeit erheblich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung definiere als gesundheitlich unbedenkliche Obergrenze eine Höchstmenge von 140 g pro Woche für Männer und 70 g für Frauen. In den USA dagegen gelten 196 g pro Woche als Obergrenze, die Briten wiederum rieten Männern wie Frauen, wöchentlich nicht mehr als 140 g Alkohol zu sich zu nehmen. „Sinnvoll wäre es, hier weltweit eine Vereinheitlichung anzustreben“, so Rudolf Kaaks vom DKFZ. Die aktuelle Studie schaffe eine gute Grundlage dafür.