Karriere

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Geschäftmann läuft im Flur eines Unternehmens
mauritius images / Harry Hart / imageBROKER

Arbeitsmarkt
Berufschancen von Geistes-wissenschaftlern sehr verschieden

Ein geisteswissenschaftliches Studium führt nicht in eine berufliche Sackgasse. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind vielfältig – und ungleich.

04.09.2019

Die beruflichen Perspektiven von Geisteswissenschaftlern sind deutlich besser als oft angenommen, wenngleich sehr unterschiedlich. Von den insgesamt rund 500.000 Geisteswissenschaftlern in Deutschland arbeiteten 2016 rund 140.000 in Führungspositionen. Männliche Geisteswissenschaftler und solche mit Berufserfahrung stehen fast genauso gut da wie der Durchschnitt aller Akademiker. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Stifterverbandes.

Philosophen, Linguisten, Historiker, Theologen und Ethnologen haben es demnach auf dem Arbeitsmarkt nicht so schwer, wie viele glauben. Die Beschäftigungssituation der Geisteswissenschaftler sei jedoch sehr unterschiedlich und andere Akademiker stünden meist immer noch besser da. Gemessen haben die Studien das laut einer Mitteilung des Stifterverbandes am Anforderungsniveau der Tätigkeit, an Führungsaufgaben und am monatlichen Nettoeinkommen.

Jeder Zweite wechselt den Beruf

Besonders gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben laut Mitteilung promovierte Geisteswissenschaftler: Ein Drittel von ihnen verdiene mehr als 4.000 Euro. Mit einem Bachelor-Abschluss verdienten Geisteswissenschaftler dagegen meist weniger als der durchschnittliche Akademiker und übernähmen weniger anspruchsvolle Aufgaben. Besonders schlechte Chancen hätten Geisteswissenschaftlerinnen: Selbst in Vollzeit schafften es demnach nur sehr wenige in für Akademiker übliche Positionen.

Aus den Studien gehe laut Mitteilung auch hervor, dass jeder zweite Geisteswissenschaftler nach dem Studium in fachfremden Berufen und Branchen arbeite. Die meisten wechselten demnach in kommunikative Aufgaben im Dienstleistungssektor. Rund 12.000 Geisteswissenschaftler wechselten zudem in naturwissenschaftliche und informationstechnische Berufe. Der Fachwechsel gelinge Geisteswissenschaftlern deshalb so gut, weil sie verstärkt die für Unternehmen wichtigen Fähigkeiten zu Kommunikation und Kooperation mitbrächten.

Nach Ansicht der 1.100 in den Studien befragten Unternehmen fehle es den Geisteswissenschaftlern zwar an IT-Kenntnissen und digitalen Kompetenzen, sie punkteten aber durch die Fähigkeit, sich schnell einzuarbeiten. Im Zuge der Digitalisierung werde das immer wichtiger.

ckr