Das Foto zeigt einen Rechenschieber
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USA Strengere Richtlinien für Forschungsgelder

Die Neustrukturierung der Forschungsfinanzierung in den USA kann zu einem Problem für die Grundlagenforschung werden.

Ausgabe 2/18

Der größte Forschungsgeldgeber der Welt, die nationale US-Gesundheitsbehörde NIH, vergibt Zuschüsse zu Studien am Menschen künftig nach strengeren Richtlinien. Damit wolle die Behörde mehr Transparenz und Rechenschaft gewährleisten, wie der Direktor für Externe Forschung im Fachjournal "Nature Human Behaviour" betonte. Das neue Verfahren, das auch klinische Studien am Menschen betrifft und diese zugleich breiter definiert, gilt ab dem 25. Januar 2018.

Manche Wissenschaftler befürchten, dass Grundlagenforschung durch die neue Regelung benachteiligt werde. Die National Institutes of Health (NIH) verfügen derzeit über ein jährliches Budget von rund 30 Milliarden US-Dollar. Etwa drei Milliarden davon fließen in die Förderung klinischer Studien. Dabei werden neue Medikamente oder auch medizinische Verfahren an Versuchsteilnehmern getestet, bevor sie zugelassen werden können.

Besserer Überblick über Studienansätze

Das bereits im September 2016 angekündigte, vereinheitlichte Antragsverfahren soll einen besseren Überblick über – womöglich doppelte – Studienansätze erlauben. Zudem müssen alle Forscher einen Grundlagenkurs in "Guter Wissenschaftlicher Praxis" absolviert haben. Ethische Auflagen, etwa zur Aufklärung der Probanden, werden strenger. Außerdem müssen die Arbeiten künftig in angemessener Zeit nach ihrem Abschluss veröffentlicht werden. Bisher sei etwa die Hälfte der Studien zweieinhalb Jahre nach ihrer Fertigstellung immer noch nicht publiziert. Darüber hinaus sollen auch die Daten von erfolglosen Ansätzen künftig in einer Datenbank öffentlich zugänglich sein. Insgesamt ist ein strengeres Studienprotokoll gefragt.

Mehr als 80 Prozent des Budgets der NIH gehen an Forscher, die an anderen Universitäten und Einrichtungen in den USA und in der ganzen Welt arbeiten. Kooperationen der Max-Planck-Gesellschaft, die etwa ein Institut für Neurowissenschaften in Florida hat, sind von den Änderungen nicht betroffen. In Europa ist ein standardisiertes Verfahren zu klinischen Studien schon 2001 eingeführt worden, ebenfalls nach anfänglichem Widerstand vieler Wissenschaftler.

dpa/kas