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Ghostwriting und Filesharing
Studierende betrügen öfter als gedacht

Studierende in Australien kaufen wissenschaftliche Arbeiten häufiger als sie zugeben. Auch hierzulande bedroht Ghostwriting die Integrität.

31.08.2021

In Australien ist Betrug durch Studierende an der Tagesordnung: Fast jeder zehnte kauft oder tauscht dort studentische Arbeiten, zeigt eine Studie, über die zuerst "Times Higher Education" berichtete. In einer Umfrage unter rund 4.000 Studierenden verschiedener Hochschulen fand ein Forscherteam um den Psychologen Guy Curtis von der University of Western Australia heraus, dass mehr Studierende während ihres Studiums schummeln als bislang gedacht. Unter anderem gaben sie 2,5 Mal häufiger an, Ghostwriting-Dienste für Auftragsarbeiten zu bezahlen.

Indem die Forschenden mindestens einen Dollar pro Teilnehmendem an wohltätige Einrichtungen spendeten, gaben sie den Studierenden einen Anreiz, in der Umfrage ehrlich zu antworten und auch sozial nicht akzeptiertes Verhalten zuzugeben. Die Höhe der Spende hang von der Ehrlichkeit der Teilnehmenden ab. Deren Antworten verglichen sie mit einer Kontrollgruppe, vorherigen Umfragen über das Verhalten von Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie statistischen Angaben über die Wahrscheinlichkeit von ehrlichen Ergebnissen. Die Forschenden errechneten so einen Anteil von acht Prozent aller Studierenden, die Ghostwriting-Dienste verwendeten.

Ebenfalls weit verbreitet sei das "Filesharing", bei dem Studierende die Arbeit anderer Menschen als ihre eigene ausgeben, ohne dafür zu bezahlen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass über elf Prozent der australischen Studierenden Filesharing-Dienste nutzten. Ähnlich viele gaben dies auch in der Umfrage zu. Das deutet den Forschenden zufolge darauf hin, dass die Studierenden keine Ehrlichkeitsanreize für das Zugeben dieser Art des Schummelns brauchten, weil sie das Verhalten – im Kontrast zum Ghostwriting – akzeptabel fänden.

Laut Bericht ist Ghostwriting in Australien verboten, File-Sharing hingegen liege dort in einer rechtlichen Grauzone. Aus Deutschland gibt es keine verlässlichen aktuellen Daten zu studentischen Plagiaten, schrieb Doris Wesels vergangenes Jahr in "Forschung & Lehre", aber auch hierzulande wachse der Ghostwriting-Markt als Ergebnis einer steigenden Nachfrage. Strafbar ist der Betrug für die Ghostwriter in Deutschland nicht, nur für die Studierenden, denen das Schummeln jedoch schwer nachzuweisen ist. Die mit der Corona-Pandemie eingeführten Onlineprüfungen verleiteten Studierende zudem zusätzlich zum Schummeln.

ckr

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