Stapel mehrerer aufgeschlagener Magazine in Farbe
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Wissenschaftlicher Impact
Fiktiver Name in zahlreiche Autorenlisten geschmuggelt

Eine Gruppierung aus Frankreich hat den Namen "Camille Noûs" willkürlich in 180 Fachartikel geschrieben. Sie kritisieren damit den Publikationsmarkt.

24.03.2021

Die französische Gruppe "RogueESR" hat mit einer umstrittenen Aktion den wissenschaftlichen Publikationsmarkt kritisiert. Sie ergänzte in 180 wissenschaftlichen Artikeln den fiktiven Namen "Camille Noûs" in der Liste der Autorinnen und Autoren, wie "Science" berichtete.

Die Gruppierung kritisiert laut Berichterstattung, dass der wissenschaftliche Erfolg von Forscherinnen und Forschern zu stark auf quantitativen Faktoren wie der Zahl an publizierten Artikeln oder Zitierungen beruhe. Auch sage der Name unter einer Publikation nicht zwangsläufig etwas über die Leistung einzelner Personen aus. Publikationen seien insbesondere eine Gemeinschaftsleistung. Der Fokus auf Einzelne und die Zahl an Artikeln fördere eine negative Forschungskultur.

Der Name "Camille Noûs" wurde laut Berichterstattung bewusst gewählt, unter anderem sei er geschlechtsneutral und bedeute auf Französisch "wir" sowie auf Griechisch "Vernunft".

Debatte über Folgen der Protestaktion

Die Aktion der Gruppe ist umstritten. Die Redaktionen der Zeitschriften waren laut "Science"-Artikel teils nicht informiert, Kritikerinnen und Kritiker fürchten, dass andere – real – beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Schaden tragen könnten, zum Beispiel, wenn eine Redaktion als Reaktion auf die Aktion nicht nur den Namen, sondern den gesamten Artikel eines Forscherteams streiche. Den Vorstoß bezeichneten die einen laut Artikel als naiv und wenig zielführend. Andere hielten in demnach für "elegant und harmlos".

Die zugrundeliegende Kritik an der zunehmenden Bedeutung von quantitativen Maßstäben in der Wissenschaft wird dagegen von vielen geteilt und sorgt immer wieder für Diskussionen in der wissenschaftlichen Community. Dabei stehen auch Raubjournale im Fokus, die sich den Trend zu möglichst vielen Artikeln zunutze machen und sich darüber finanzieren, wissenschaftliche Artikel ohne Begutachtung zu veröffentlichen.

kas

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