Das Foto zeigt eine lesende Frau in einer Buchhandlung
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Buchmarkt Immer weniger Menschen kaufen Bücher

Die Zahl der Buchkäufer ist in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen. Was sind die Gründe?

15.03.2018

Die Zahl der Buchkäufer ist von 2013 bis 2017 um 6,4 Millionen auf 29,6 Millionen zurückgegangen. Auch wenn die Umsätze auf dem Buchmarkt über die letzten zehn Jahre trotz Schwankungen weitgehend stabil waren, sind das nach Ansicht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels "schwierige Entwicklungen".  

Zusammen mit Verlagen, Buchhandlungen und Marktforschern führt der Börsenverein derzeit Analysen zum Kaufverhalten durch und befragt Leser, deren Buchkäufe zurückgegangen sind. Ersten Erkenntnissen der Untersuchung zufolge liege die Ursache für den Rückgang in der Hektik der Gegenwart:  "Die große Mehrheit derer, die heute weniger Bücher kaufen als früher, fühlt sich von den Erwartungen und der Schnelllebigkeit des modernen Alltags gestresst und unter Druck gesetzt, nicht zuletzt durch Social Media. Sie haben das Gefühl, ständig reagieren und dranbleiben zu müssen, um nicht abgehängt zu werden," sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Weil sie weniger Zeit hätten, aber auch durch eine sinkende Aufmerksamkeitsspanne, griffen die Menschen seltener zum Buch.

Gleichzeitig verbänden die Befragten aber durchweg positive Gefühle mit dem Bücherlesen. Sie sähen darin die Möglichkeit, Entspannung und Entschleunigung, aber auch zuverlässige Informationen zu finden. Bücher seien damit die Antwort auf das wachsende Bedürfnis nach einem Ausgleich zu den Anforderungen der Multitasking-Gesellschaft. Darin stecke für die Buchbranche "großes Potenzial". Es gehe darum, das Buch als Ruhepol im hektischen Alltag und als zuverlässige Quelle für Information, Wissen und Bildung wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Urheberrecht: Faire Vergütung der Autoren und Verlage gefordert

Darüber hinaus forderte Skipis von der Bundesregeirung, die Verlegerbeteiligung an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften kurzfristig wieder herzustellen. Da es dafür momentan keine Rechtsgrundlage gebe, gingen beispielsweise Wissenschaftsverlage komplett leer aus, wenn ihre Werke nach dem geänderten Urheberrecht seit dem 1. März in großen Auszügen erlaubnisfrei an Hochschulen und Bildungseinrichtungen genutzt werden dürften. "Das ist eine verfassungsrechtlich höchst bedenkliche Situation. Nur eine faire Vergütung der Autoren und Verlage kann einen Buchmarkt garantieren, der für Qualität, Vielfalt und Unabhängigkeit steht," betonte Skipis.

gri