Symbolbild Zustimmung und Ablehnung: Zwei Holzwürfel mit Aufdruck von grünem Haken beziehungsweise rotem X
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Fakten, Wissen und Meinung
Starke Kritiker überschätzen ihren Wissensstand

Ihren eigenen Wissensstand schätzen meinungsstarke Menschen oft als hoch ein, zeigt eine Analyse. Berechtigt ist diese Einschätzung nicht unbedingt.

25.01.2023

Ob Impfstoffe, Klimakrise oder gentechnisch veränderte Organismen: Manche wissenschaftliche Themen rufen teils gegensätzliche und dabei sehr starke Meinungen hervor. Abgelehnt würden Erkenntnisse aus solchen Forschungsgebieten tendenziell vor allem von Menschen mit eher wenig Fachwissen, bestätigt eine in der Zeitschrift "PLOS Biology" vorgestellte Studie vorherige Analysen. Zudem schätzen demnach eher Menschen mit einer starken Haltung pro oder kontra Wissenschaft ihr eigenes Wissen als sehr hoch ein.

Konkret befragten die Forschenden 2.000 britische Erwachsene anhand verschiedener Forschungsthemen im Bereich Genetik über ihre Einstellung zur Wissenschaft und dazu, wie sie ihr eigenes Verständnis beurteilten. Dabei beobachteten sie, dass Befragte mit den ausgeprägtesten Einstellungen – sowohl Befürworter als auch Gegner der Wissenschaft – stärker von ihrem eigenen Wissen überzeugt waren.

"Wir haben festgestellt, dass starke Einstellungen, sowohl für als auch gegen die Wissenschaft, durch ein starkes Selbstvertrauen in das Wissen über die Wissenschaft untermauert werden", sagt Mitautor Professor Laurence Hurst. Das mache psychologisch Sinn, so das Team: Um eine starke Meinung zu haben, müsse man fest an sein Wissen über die grundlegenden Fakten glauben.

Menschen mit negativer Meinung wissen tendenziell wenig

Tatsächlich vorhanden ist dieses Basiswissen allerdings nicht zwingend: Wie die Analyse bestätigt, verfügen gerade jene, die sich am negativsten zu einem Forschungsbereich äußern, tendenziell über wenig Wissen zum Thema. Umgekehrt sei das Selbstvertrauen in das eigene Wissen bei denjenigen, die der Wissenschaft eher positiv gegenüberstehen, meist gerechtfertigt.

Dabei ist den britischen Forschenden zufolge nur eine sehr kleine Gruppe von etwa fünf Prozent extrem ablehnend eingestellt, zumindest bezüglich gentechnisch veränderter Organismen. Grundsätzlich verallgemeinern ließen sich die Ergebnisse aber nicht, betont das Forscherteam. Bei der Meinungsbildung zur Evolution zum Beispiel spielten religiöse Einstellungen eine große Rolle, bei der Klimakrise politische Positionen. Wie stark das subjektive Verständnis Anteil habe, sei bei solchen Themen noch zu klären.

Laut Dr. Eva Thomm von der Universität Erfurt bestätigen die aktuellen Befunde die Ergebnisse früherer Studien. "Die Konsequenz einer Überschätzung des eigenen Wissens im Zusammenhang mit einer kritischen Einstellung gegenüber Wissenschaft kann sein, dass man fragwürdigen Informationen aus fragwürdigen Quellen aufliegt", erläuterte die Psychologin in einer unabhängigen Einordnung.

Die von den britischen Forschenden gefundenen Zusammenhänge ließen sich zumindest zum Teil auch auf Deutschland übertragen, so Thomm. So habe eine 2019 in "Nature Human Behaviour" veröffentlichte Studie, die sich ebenfalls mit Einstellungen, subjektivem und tatsächlichem Wissen über gentechnisch veränderte Organismen beschäftigte, auch eine deutsche Stichprobe enthalten und sei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

dpa/ckr

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