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ProfQuest-Umfrage
Was die Zufriedenheit von Professoren beeinflusst

Das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung und -planung befragt regelmäßig Professoren zu deren Arbeitsbedingungen. Ein Fächervergleich.

Wie beurteilen Professorinnen und Professoren ihre Arbeitssituation an bayerischen Universitäten? Insgesamt sind in den meisten Fächergruppen maximal zwei Drittel der befragten Professorinnen und Professoren mit ihrer Arbeitssituation im Allgemeinen (sehr) zufrieden. Dabei spielt die Geschlechterzugehörigkeit keine große Rolle. Zwar kommt es zu leichten Unterschieden in den Antworten, diese sind jedoch gering und nicht signifikant.

In den Ingenieurwissenschaften, den Sprach- und Kulturwissenschaften, den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie in der Mathematik und in den Naturwissenschaften finden sich jeweils etwa gleich viele Professorinnen und Professoren, die ihre Arbeitssituation alles in allem als (sehr) zufriedenstellend beschreiben (64,7 Prozent, 62,7 Prozent, 62,4 Prozent und 62,2 Prozent). Die Arbeitszufriedenheit fällt einzig bei den Angehörigen der Fächergruppe der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit 50,8 Prozent sowie innerhalb der Gruppe der sonstigen Fächer (49 Prozent) signifikant schlechter aus.

Die geringere allgemeine Arbeitszufriedenheit der Professorinnen und Professoren in der Humanmedizin und in den Gesundheitswissenschaften sowie in den sonstigen Fächern spiegelt sich auch in der Unzufriedenheit mit der Arbeit der Hochschulverwaltung wider. Die Anteile zufriedener beziehungsweise sehr zufriedener Befragter in der Humanmedizin und in den Gesundheitswissenschaften sowie in den sonstigen Fächern sind mit 43,9 Prozent und 43 Prozent geringer als jene in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie der Mathematik und den Naturwissenschaften (50,7 Prozent, 48,9 Prozent und 48,5 Prozent). Die Ingenieurwissenschaften weisen mit gut vierzig Prozent den niedrigsten Wert auf.

Wieviel Zeit bleibt für Forschung und Lehre?

Trotz fächerspezifischer Abweichungen wenden die Professorinnen und Professoren nach eigener Aussage nicht einmal zwei Drittel ihrer Zeit für Forschung und Lehre auf, und der Anteil an akademischer Selbst- und Lehrstuhlverwaltung umfasst alles in allem circa 20 Prozent. Was den durchschnittlichen Zeitanteil für die Lehrstuhlverwaltung betrifft, so ist dieser in der Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften mit 13,6 Prozent am höchsten, während die Professorenschaft der Mathematik und Naturwissenschaften sowie der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften erheblich weniger für die Lehrstuhlverwaltung aufbringen (8,3 Prozent und 7,8 Prozent).

Auch bei der durchschnittlich aufgewendeten Zeit für die akademische Selbstverwaltung setzen sich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit lediglich 7,1 Prozent vom Rest der Stichprobe ab. Die übrigen Fächergruppen weisen Prozentanteile von etwa 11,0 Prozent auf. Auf der anderen Seite lässt sich bei den durchschnittlichen Zeitanteilen für sonstige Tätigkeiten (in diesem Fall vor allem Kliniktätigkeiten) feststellen, dass Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit einem durchschnittlichen Zeitanteil von 15,6 Prozent deutlich über dem der restlichen Fächergruppen liegen.

Darüber hinaus zeigt der Fächervergleich, dass die Professorinnen und Professoren der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit gut einem Drittel den höchsten durchschnittlichen Prozentanteil für Forschung aufweisen, während in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie den sonstigen Fächern hierfür nur etwa ein Viertel der Zeit angesetzt wird. Diese Verteilung korrespondiert mit den durchschnittlichen Zeitanteilen für Lehre: Hierfür setzen die Professorinnen und Professoren der Sprach- und Kulturwissenschaften den höchsten Prozentanteil (35,6 Prozent) ein, gefolgt von den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie den sonstigen Fächer (34,9 Prozent und 33,8 Prozent). In der Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften sowie in der Fächergruppe der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften wird hingegen vergleichsweise weniger Zeit für Lehre aufgewendet (28,6 Prozent und 21,9 Prozent). Dies wirkt sich auch auf die Zeitanteile für durchgeführte Prüfungen aus.

Dadurch bleibt für Forschung deutlich weniger Zeit übrig. So verwundert es wenig, dass gerade Professorinnen und Professoren aus diesen Fächergruppen häufiger angeben, mit der Zeitverteilung zwischen Forschung, Lehre und Verwaltung (sehr) unzufrieden zu sein (zwischen 33,4 und 44,4  Prozent) und teilweise lediglich ein Fünftel Zufriedene in diesen Befragtengruppen zu finden sind.

Gut informiert durch Universitäts­leitung und Verwal­tung

Neben der Tätigkeitsverteilung spielt für viele Professorinnen und Professoren bei der Einschätzung ihrer derzeitigen Arbeitssituation auch eine erhebliche Rolle, wie gut sie sich über Entscheidungen in der Fakultät und der Universität informiert sehen. Zwar beurteilen die Professorinnen und Professoren in den meisten Fächergruppen ihre Informationslage als recht gut, und immerhin zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Befragten geben an, über Entscheidungen in der eigenen Fakultät respektive dem eigenen Fachbereich gut informiert zu sein. Allerdings werden insbesondere den Universitätsleitungen respektive Universitätsverwaltungen schlechte Noten ausgestellt. So beurteilen die Professorinnen und Professoren die Informationsleistung dieser beiden Akteure deutlich schlechter als die der Fakultäten respektive Fachbereiche.

Daneben ist auffällig, dass sich die Befragten der Humanmedizin und der Gesundheitswissenschaften deutlich negativer zur Transparenz im Sinne einer Klarheit und Nachvollziehbarkeit universitärer Strukturen und Prozesse äußern als Professorinnen und Professoren der übrigen Fächergruppen. Dies gilt auch für die Frage, wie gut informiert sie sich über Entscheidungen der Universitätsleitung sowie der Universitätsverwaltung sehen. Zwar geben alle Befragten an, diesbezüglich vergleichsweise schlecht informiert zu werden. Allerdings ergibt sich bei dieser Professorengruppe der mit Abstand niedrigste Wert (ca. ein Fünftel im Vergleich zu über 40 Prozent).

Insgesamt sehen sich die Professorinnen und Professoren der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu einem großen Teil sowohl in offizielle Netzwerke als auch informelle Netzwerke ihrer Hochschule (sehr) gut eingebunden (67,6 Prozent und 60,9 Prozent). Dies beurteilen die Befragten der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften deutlich schlechter.

Ungleichgewicht von Forschung, Lehre und Verwaltung

Die Forschungs- und Lehrbedingungen werden von den Universitätsprofessorinnen und -professoren zum Teil recht kritisch beurteilt, sei es in Bezug auf die Möglichkeit zu forschen, die Gestaltung der Lehrsituation oder die Information und Kommunikation seitens der Universitätsleitung respektive -verwaltung. Dies schlägt sich auch in der generellen Zufriedenheit der Professorinnen und Professoren nieder: So geben maximal zwei Drittel der Befragten an, mit ihrer Arbeitssituation im Allgemeinen (sehr) zufrieden zu sein. Hierbei spielt die Geschlechterzugehörigkeit eine nur untergeordnete Rolle. Es zeigen sich zwar leichte Unterschiede im Antwortverhalten, diese sind jedoch gering und nicht signifikant. Hingegen hat das empfundene Ungleichgewicht zwischen Forschung, Lehre und (akademischer Selbst-)Verwaltung einen bedeutsamen Anteil an den Zufriedenheitswerten der Professorinnen und Professoren an den bayerischen Universitäten.

Dabei treten große Fächerdifferenzen bei der Ausgestaltung des Arbeitsalltags der Professorenschaft zutage. So steht nach eigenen Angaben den Professorinnen und Professoren der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften der größte Zeitanteil für Forschung zur Verfügung. Im Gegensatz dazu gehen bei den Kolleginnen und Kollegen anderer Fächergruppen die zum Teil erheblich höheren Zeitanteile für Lehre und Prüfungen zu Lasten von Forschungstätigkeiten. Hinzu kommt, dass der derzeitige Lehrbetrieb an Universitäten es offensichtlich für viele unmöglich macht, Forschungssemester ohne größere Unterbrechungen zu nutzen. Diese Ergebnisse gewinnen vor dem Hintergrund, dass sich fächergruppenübergreifend eine große Mehrheit der Professorinnen und Professoren mehr Zeit für die Forschung wünscht, zusätzlich an Bedeutung.

ProfQuest – die Professorenbefragung

Der Beitrag fußt auf einer Befragung von knapp 1.200 Universitätsprofessorinnen und -professoren in Bayern, was einer bereinigten Rücklaufquote von circa 30 Prozent entspricht.

Davon gehört der größte Anteil zur Fächergruppe der Mathematik und Naturwissenschaften (29,7 Prozent). Danach folgen die Sprach- und Kulturwissenschaften (19,6 Prozent), die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (17,8 Prozent) sowie die Fächergruppe der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften (16,3 Prozent). Auf die sonstigen Fächer sowie die Ingenieurwissenschaften entfallen Anteile von 8,7 Prozent und 7,9 Prozent.

Die Sprach- und Kulturwissenschaften sowie die sonstigen Fächer weisen die größten Frauenanteile auf (32,8 Prozent und 27 Prozent). In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften sind sie nur in etwa halb so hoch (14,5 Prozent und 14,1 Prozent). Die Fächer­gruppen der Mathematik und Naturwissenschaften sowie der Ingenieurwissenschaften haben die geringsten Frauenanteile (9,5 Prozent und 5,4 Prozent).

Im Großen und Ganzen beschreibt die Majorität der Befragten ihre Universitätsverwaltungen und Universitätsleitung als teilweise (sehr) intransparent. Dies hat signifikant negative Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit der Professorinnen und Professoren. Gleichzeitig bietet sich hier ein wichtiger Ansatzpunkt zur Verbesserung des professoralen Zufriedenheitsempfindens im Rahmen der Hochschulgovernance, indem seitens der Universitätsleitungen über zielgruppenadäquate Informations- und Kommunikationsstrategien nachgedacht wird, um Entscheidungen (noch) klarer und nachvollziehbarer für die Leistungsträger in Forschung und Lehre zu machen.

Daneben zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sich die Professorinnen und Professoren nicht nur eine bessere Kommunikation von ihrer Universität, sondern auch eine bessere Unterstützungsleistung seitens der Verwaltung, beispielsweise bei der Kontaktpflege mit internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wünschen. Zudem hat derzeit nur eine Minderheit der Professorinnen und Professoren den Eindruck, die Universitätsleitung gehe flexibel auf ihre individuellen Bedürfnisse ein. In besonderem Maße vermitteln diesen Eindruck die Befragten der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften.

Etwa zwei Drittel der befragten Professorinnen und Professoren können sich einen Wechsel ihrer derzeitigen Universität vorstellen. Einzige Ausnahme ist die Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften; hier zieht nur die Hälfte der Befragten einen Wechsel in Betracht. Vor dem Hintergrund, dass sich die Professorinnen und Professoren unabhängig von ihrer Fachzugehörigkeit deutlich mehr Forschungszeit wünschen, das deutsche Universitätssystem im internationalen Vergleich jedoch durch ein deutlich höheres Lehrdeputat gekennzeichnet ist, haben die vorliegenden Befunde eine wichtige Signalwirkung für den Wettbewerb (bayerischer) Universitäten um renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Bei dem vorliegenden Beitrag handelt es sich um eine Kurzfassung des Artikels "Wie zufrieden sind die Professorinnen und Professoren an den Universitäten Bayerns? Eine fächerspezifische Standortbestimmung auf Basis der landesweiten Professorenbefragung ProfQuest", Beiträge zur Hochschulforschung, 2/2019, S. 84-95. Die Langfassung kann bei der Redaktion von Forschung und Lehre angefragt werden.

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