Professorin Louise Richardson, Rektorin der Universität Oxford.
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Rektorin der Universität Oxford Brexit könnte Forschung Milliarden kosten

Die Rektorin der Universität Oxford hat die britisch-irische Handelskammer vor den Folgen des Brexits gewarnt. Sie fordert zur Lobbyarbeit auf.

11.05.2018

"Wir wissen, wie stark der Ruf Großbritannien von unseren Forschungskooperationen abhängt. Viele dieser über EU-Programme finanzierten Projekte sind jedoch durch den Brexit gefährdet", sagte die Rektorin der Universität Oxford, Professorin Louise Richardson, vor der britisch-irischen Handelskammer. Das gelte für Projekte in allen Wissenschaftsbereichen von der Künstlichen Intelligenz, über Medizin und Sozialpsychologie bis zur Zoologie.

Das zentrale Problem für Großbritannien sieht Richardson in dem angedachten "pay-as-you-go"-Vorschlag, wie der britische "Guardian" über ihre Rede berichtete. Gemeint ist damit, dass Großbritannien nur so viel Geld von der EU erhalten soll, wie das Land auch zum gemeinschaftlichen Fördertopf beiträgt.

"Die Realität ist, dass sich das Vereinigte Königreich zwischen 2007 und 2013 mit 5,4 Milliarden britischen Pfund (rund 6,1 Milliarden Euro) an der Förderung von Forschung und Entwicklung beteiligt, in demselben Zeitraum aber 8,8 Milliarden Pfund (knapp 10 Milliarden Euro) über das EU-Forschungsrahmenprogramm erhalten hat", sagte sie. Die Konsequenz sei logisch: Nach dem künftigen Prinzip stehe Großbritannien deutlich schlechter da. Darüber hinaus könnten die neuen Einreisebestimmungen den Austausch zwischen britischen Forschern mit Wissenschaftlern aus der EU behindern.

Richardson: Forschung gewinnt für Großbritannien an Bedeutung

Wegen der zu erwartenden Einschnitten in der britischen Wirtschaft, etwa im Finanzwesen oder der Landwirtschaft, gewinne die Forschung für Großbritannien an Bedeutung. "Ich würde die britische Regierung dazu aufrufen, es zu einer Priorität in den Brexit-Verhandlungen zu machen, dass die Universitäten weiterhin die bestmöglichen Beziehungen zur EU erhalten", appellierte sie an die Mitglieder der Handelskammer.

Großbritannien sei eines der Länder, das am stärksten vom EU-Budget für Forschung profitiere. Dies gelte für die Förderung zahlreicher Projekte über Horizont 2020 ebenso wie für Zuschüsse, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über den Europäischen Forschungsrat erhielten. In der letzten Runde sei Großbritannien hier etwa mit 66 Projekten erfolgreich gewesen. Deutschland habe eine Förderung für 42 Vorhaben erhalten, Frankreich für 34.

kas

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