Kolleginnen und Kollegen in einer Besprechung
mauritius images/Rawpixel Ltd/Alamy

Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Wissenschaftler kritisieren Benachteiligung in Corona-Pandemie

Forschende zwischen 25 und 50 Jahren fordern eine stärkere Beachtung der Politik. Gerade mit Kindern seien sie derzeit stark benachteiligt.

24.04.2020

Mehrere Hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine Benachteiligung von jüngeren Forschenden kritisiert, viele von ihnen mit Kindern. Ihre Interessen würden in der aktuellen Corona-Pandemie nicht ausreichend gehört. Das schreiben die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in einem offenen Brief. Sie wollen stärker in die politischen Entscheidungen eingebunden werden.

"Die aktuellen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen treffen gerade Eltern mit maximaler Härte", schreiben die Verfasserinnen und Verfasser, die nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Bereichen forschen und zwischen 25 und 50 Jahre alt sind. Die Betreuung eines kleinen Kindes sei eine Vollzeitaufgabe. Pro Familie falle ein Erwachsener für die Arbeit weitgehend aus. Besonders Frauen würden in das traditionelle Rollenmodell zurückgedrängt und stellten ihre Karriere hinter häuslichen Aufgaben zurück, die Zahl der eingereichten Publikationen von Frauen sinke. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefs fordern unter anderem "der Wiederöffnung von Kitas und Kindergärten in Kleingruppen mehr Priorität zu geben".

Die Arbeitsgruppe der Leopoldina habe aus 24 Wissenschaftlern und zwei Wissenschaftlerinnen mit einem Altersdurchschnitt von 63 Jahren bestanden. Die Verfasserinnen und Verfasser des Briefs fordern künftig eine "ausgewogenere Expertenberatung und Diskussion" zur Corona-Pandemie. Auch gegenüber Forschung & Lehre machten einige bereits vor einigen Wochen darauf aufmerksam, dass sie sich durch die Kinderbetreuung nicht auf Forschungsprojekte bewerben könnten, die sie im Zweifel für die kommenden Jahre finanzierten.  Das könnte insbesondere die Karriere von Nachwuchswissenschaftlern gefährden.

Viele Förderer passten wie berichtet ihre Fristen an, so etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

kas/dpa