Das Foto zeigt Studenten der Universität Köln an einem langen Tisch mit Büchern.
dpa

Internationalisierung Wissenschaftsrat fordert Eintreten für Freiheit der Wissenschaft

Der Wissenschaftsrat hat sich in aktuellen Empfehlungen mit der Internationalisierung der Wissenschaft befasst. Einige Ergebnisse.

09.07.2018

Vor dem Hintergrund der sich dynamisch verändernden welt- und wissenschaftspolitischen Lage hat sich der Wissenschaftsrat für eine deutliche Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit ausgesprochen. "Wir müssen in allen internationalen Konstellationen klar für unsere Werte und Qualitätsansprüche eintreten und als Botschafter für die freie Ausübung von Wissenschaft, die wissenschaftliche Integrität und den Schutz geistigen Eigentums in die Welt gehen", betonte die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Martina Brockmeier, heute in Berlin.

Alle Akteure in der Wissenschaft sollten sich bewusst sein, dass sie sich immer in einem politischen Umfeld bewegten. Die Spannungen und Zielkonflikte von Partnern, die in Bezug auf Leistung und Ressourcen sehr ungleich sein könnten, müsse man im Blick behalten, aber auch die unterschiedlichen Motive und Werthaltungen könne man nicht ignorieren.

Zunehmende Wissenschaftsskepsis ist zu beobachten

Aufstrebende Wissenschaftsnationen bieten nach Ansicht des Rates neue Kooperationsmöglichkeiten in Lehre und Forschung. Allerdings nehme auch der internationale Wettbewerb zu.  Gleichzeitig erschwere eine zunehmende Wissenschaftsskepsis bis hin zu Wissenschaftsfeindlichkeit in Staaten innerhalb und außerhalb Europas den grenzüberschreitenden Austausch und die internationale Zusammenarbeit.

Um die deutschen Hochschulen für Chancen und Risiken im Umgang insbesondere mit neuen Partnerstaaten zu sensibilisieren, empfiehlt der Wissenschaftsrat, eine zentrale Beratungsstelle beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) oder bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu schaffen. Der Rat fordert, die Ausstattung des DAAD und der Alexander von Humboldt-Stiftung zu verbessern. "Um ihre Strategien langfristig zu verfolgen, benötigen die Hochschulen aber auch für die Internationalisierung eine auskömmliche Grundfinanzierung", so Brockmeier.

Besondere Chancen sieht der Wissenschaftsrat in der Idee einer Europäischen Hochschule, die Anregungen für viele Hochschulen unterschiedlichen Typs für alle ihre Leistungsdimensionen geben könne. Mit einem solchen Profil könne überzeugend für die Werte des europäischen Hochschulraums geworben werden, gleichzeitig mit dem Einstehen für Wissenschaftsfreiheit, Weltoffenheit, Verantwortung und kulturelle Vielfalt ein Gegenentwurf zu nationalistischen und wissenschaftsskeptischen Tendenzen gesetzt werden. Die Studierenden könnten von Mehrsprachigkeit, interkulturellen Erfahrungen und Doppelabschlüssen profitieren.

Englische Sprache "kein Automatismus"

Um die Internationalisierung an den deutschen Hochschulen zu intensivieren, empfiehlt der Wissenschaftsrat den Hochschulen eine zu ihrem Profil passende Sprachenpolitik, die auch die Verwaltung einbeziehe. Sie sollten Einzelmaßnahmen für die Internationalisierung in ein institutionelles Gesamtkonzept zusammenführen, die Strategie auf ihr fachliches Profil abstimmen, aber auch entsprechend der dynamischen Veränderungen immer wieder adjustieren. Die Umsetzung eines Sprachenkonzepts sei allerdings nicht gleichzusetzen mit einer möglichst weitgehenden Umstellung des Studienangebots auf die englische Sprache. Wenngleich  für  viele  Hochschulen  bei  der  Einführung  fremdsprachiger  Studienprogramme oder der Einführung einer zweiten Verkehrssprache Englisch die Sprache der Wahl sein werde, solle dies "kein Automatismus" sein.

gri