Bunt gefärbte Ostereier in einem Eierkarton
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Mythen und Bräuche zu Ostern
Osterhase, Hahn oder Henne?

Dieser Tage werden wieder bunte Eier gefärbt, doch wer hat sie gebracht? Eine Spurensuche nach historischen Ostertieren.

17.04.2022

Die erste schriftliche Erwähnung des Osterhasens stammt aus der Dissertationsschrift des Frankfurter Arztes Johannes Richier aus dem Jahr 1682. Richier nannte die Vorstellung eines an Ostern bunte Eier verteilenden Hasens eine "Fabel, die man Einfältigen und Kindern aufbindet", erklärt Kulturwissenschaftlerin Dr. Karin Bürkert im "Nationalatlas aktuell" des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig.

Bereits im "Atlas der Deutschen Volkskunde" von 1937 habe man sich mit der Frage beschäftigt, wer die Ostereier bringt, und eine Deutschlandkarte mit den Ergebnissen erstellt, so Bürkert. Der Kulturwissenschaftler Professor Friedemann Schmoll beschreibt diesen historischen Atlas allerdings als "methodisch schwierig" und ideologisch "nicht unproblematisch", allein schon "aufgrund der Zusammenhänge zwischen Raum, Volk und Kultur". Seine Datengrundlage seien 20.000 Fragebögen, die Forschende und Amateure gemeinsam in kurzer Zeit gesammelt hätten. Die Antworten stammten oft von Pfarrern oder Lehrern, wie Bürkert bemerkt, und seien gefärbt von deren subjektiver Wahrnehmung ihrer Mitmenschen.  

Der Kartenausschnitt aus dem historischen "Atlas der Deutschen Volkskunde", den der "Nationalatlas aktuell" online zeigt, bildet eine Vielfalt von Vorstellungen zur Herkunft der Ostereier ab: In den meisten Regionen glaubten die Kinder schon damals an den Osterhasen, bemerkt Bürkert, in manchen an einen spezifisch grünen oder roten Hasen. Anderorts herrschte demnach die Überzeugung, dass eine Henne, ein Storch oder sogar das Christkind die Ostereier brachte. In Bayern und Thüringen etwa hätten die Kinder vermehrt den Hahn angegeben und im Teutoburger Wald den Fuchs. In der Kölner Bucht hingegen seien die Eier als Symbole für die aus "Rom heimkehrenden Glocken" betrachtet worden.

Einblicke in die Ostersymbolik

In der christlichen Ikonografie symbolisiere das Ei die Auferstehung Christi, die aufgebrochene Schale erinnere an das leere Grab am Morgen des Ostersonntags. Hase und Ei seien außerdem Symbole für die Fruchtbarkeit.

Gefärbte Eier werden in Deutschland erstmals im 13. Jahrhundert schriftlich erwähnt, berichtet Bürkert.

Im 16. Jahrhundert habe sich Ostern von einem kirchlichen immer mehr zu einem bürgerlichen Fest entwickelt. Auch die Kindererziehung wurde wichtiger, man habe sich für besondere Feste Rituale ausgedacht. Es gab, erklärt Bürkert, "viele verschiedene Mythen, Erzählungen und Herkunftsgeschichten, die sich mit der Zeit zu einer Leiterzählung verdichteten." Gewiss sei nur, dass der heutige Osterhase erst im 20. Jahrhundert populär wurde, durch Bücher wie 'Die Häschenschule' von 1924 und ab den 1950er Jahren durch die Schokoladenindustrie.

Warum das Verstecken der Ostereier nun einem Hasen zukam, versucht die Kulturwissenschaftlerin so zu erklären: Möglicherweise habe das Fluchtverhalten von Hasen erlaubt, Kinder glauben zu lassen, dass sie sie deshalb nicht beim vermeintlichen Eierverstecken sehen könnten.

Kulturwissenschaftlich sei die Frage, welches Tier in welcher Region die Eier bringe, zudem wenig bedeutsam, so Bürkert. Interessanter sei, welche Funktionen der Mythos vom eierbringenden Tier und der Brauch der Ostereiersuche hatte. Bräuche seien wichtig, um die Fantasie der Kinder anzuregen und soziale Beziehungen in der Familie zu stärken – Eier zu bemalen, Spiele zu erfinden und Geschenke zu erhalten. Das alles trage dazu bei, den Jahreszeitenwechsel im sozialen Gefüge verstehen zu lernen und mit Sinn zu belegen.

cpy