Das Bild zeigt ein Glas mit sprudelndem Wasser und dem Schriftzug Antibiotika
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Medizin
Mehr Todesfälle durch multiresistente Keime

Das Problem mit gravierenden Infektionen in Krankenhäusern ist bekannt. Nun liegen neue Zahlen einer Studie vor.

06.11.2018



In der Europäischen Union (EU) sterben jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen. Die Zahl ist deutlich höher, als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die im Magazin Lancet erschienen ist und über die der Nordeutsche Rundfunk vorab berichtet.

Die bisherigen Schätzungen beruhten demnach auf Zahlen von 2007. Damals starben etwa 25.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern. Für die aktuelle Auswertung seien Daten aus dem Jahr 2015 analysiert worden. Danach habe sich die Zahl der Infektionen fast verdoppelt, und deutlich mehr Menschen starben.

Besonders gefährdet sind Kleinkinder und ältere Menschen. Insgesamt, so schätzen die Wissenschaftler laut Bericht, ist die Belastung durch antibiotikaresistente Bakterien so groß wie die von HIV/AIDS, Grippe und Tuberkulose zusammen genommen.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern

Die Studie wurde dem NDR zufolge vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) durchgeführt, einer Organisation der EU. Die Autoren sprechen demnach von einer "erheblichen" Belastung, machten aber auch deutlich, dass es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern gibt.

Mit Abstand am stärksten betroffen seien Italien und Griechenland. Deutlich besser sei die Situation in Nordeuropa. In Deutschland erlitten laut der Studie im Jahr 2015 knapp 55000 Menschen eine Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen, fast 2400 starben.

Wie der NDR berichtet haben die Wissenschaftler zudem die sogenannte Krankheitslast berechnet. Dabei werde nicht nur die Zahl der Todesfälle berücksichtigt, sondern unter anderem auch, wie schwer eine Erkrankung verläuft. Die Studie zeige, dass mittlerweile ein großer Teil der Krankheitslast, nämlich knapp 40 Prozent, durch Bakterien verursacht werde, die gegen sogenannte Reserveantibiotika resistent seien.
Dies sei "beunruhigend". Denn diese Antibiotika seien in der Regel die letzten verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten. Wenn sie nicht mehr wirkten, sei es extrem schwierig oder sogar unmöglich, Infektionen zu behandeln.

Ansteckung vornehmlich in Gesundheitseinrichtungen

Die meisten Ansteckungen mit antibiotika-resistenten Keimen erfolgen dem Bericht zufolge in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen. Etwa drei Viertel der Krankheitslast sei auf Ansteckungen in Kliniken oder anderen Gesundheitseinrichtungen zurückzuführen. Mehr als die Hälfte dieser Fälle sei wahrscheinlich vermeidbar. Verbesserte Maßnahmen zur Infektionsvermeidung und -kontrolle könnten folglich das Problem deutlich mildern.

gri