Das Foto zeigt einen Rhesus-Affen mit einem Implantat im Kopf, der von einem Tierpfleger gefüttert wird.
dpa

Max-Planck-Gesellschaft Stratmann verteidigt Tierversuche

Vor dem Hintergrund der Vorfälle an einem Tübinger Max-Planck-Institut betont der Chef der MPG die Notwendigkeit von Tierversuchen.

14.06.2018

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft hält nach mutmaßlicher Tierquälerei bei Affenversuchen in Tübingen weiter im Grundsatz an Experimenten mit solchen Tieren fest. "Wir finden Versuche an nicht menschlichen Primaten wichtig. Wir werden uns aus dieser Forschung nicht zurückziehen", sagte Martin Stratmann der Wochenzeitung "Die Zeit".

Mögliches Fehlverhalten am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik war 2014 öffentlich geworden, nachdem ein Tierpfleger heimlich Filme im Tierversuchslabor gedreht hat. Das Amtsgericht Tübingen hat Strafbefehle wegen Tiermisshandlung gegen den Forscher der Nikos Logothetis sowie zwei seiner Mitarbeiter erlassen – alle wehren sich dagegen. Bis zum Abschluss des Verfahrens darf Logothetis keine Tierversuche durchführen oder anleiten, wie die MPG bereits im Februar mitgeteilt hatte. Wann es zu einer Gerichtsverhandlung in dem Fall kommt, steht nach Angaben des Amtsgerichts Tübingen noch nicht fest.

Stratmann: "Keine Unterbietung ethischer Standards"

Stratmann wehrt sich gegen Kritik, die MPG hätte sich klarer vor ihren Forscher stellen müssen: "In dem Moment, in dem wir Anzeichen von Fehlentwicklungen sehen, haben wir die Verpflichtung, dem nachzugehen. Ein Strafbefehl wegen eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz ist ein solches Anzeichen – selbst wenn dieser Strafbefehl noch nicht rechtskräftig ist. Das ist keine Kleinigkeit."

In Anbetracht von massiven Investitionen in die Primatenforschung in Asien warnt Martin Stratmann vor einem Unterbietungswettbewerb ethischer Standards. Er setzt auf klare und transparente ethische und wissenschaftliche Standards: "Darum brauchen wir ein Gesamtkonzept für die Primatenforschung in Deutschland. Daran arbeiten wir gerade. Mir ist dabei wichtig, dass wir auch die schwierigen ethischen Aspekte berücksichtigen. Sonst werden wir keine politische und gesellschaftliche Unterstützung bekommen."

dpa/gri