Facebook-Logo
mauritius images/blickwinkel

Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica Welche Verantwortung trägt der Wissenschaftler?

Facebook und Cambridge Analytica stehen unter Druck, weil sie unerlaubt Nutzerdaten ausgewertet haben. Jetzt äußerte sich der beteiligte Forscher.

22.03.2018

Der Wissenschaftler im Zentrum des Datenskandals um Facebook und Cambridge Analytica fühlt sich als Sündenbock missbraucht. Das sagte der Dozent für Neurowissenschaft an der Universität Cambridge, Aleksandr Kogan, in einem BBC-Interview am Mittwoch. "Ehrlich, wir dachten, wir handeln vollkommen angemessen. Wir dachten, wir tun etwas völlig Normales." Sein einziger Fehler sei gewesen, nicht genug Fragen gestellt zu haben, sagte Kogan.

Facebook beschuldigt den Wissenschaftler, Daten, die mithilfe einer Umfrage in dem Sozialen Netzwerk zu Forschungszwecken gesammelt wurden, unrechtmäßig an die Beratungsfirma Cambridge Analytica weitergegeben zu haben.

Kooperationen mit Unternehmen: Vier Fragen sind zu klären

Professor Dr. Bert Heinrichs forscht und lehrt am Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er spricht von einem Schwarzer-Peter-Spiel, bei dem noch nicht abzuschätzen sei, welche Informationen letztlich stimmten. Welche Fragen hätte Wissenschaftler Aleksandr Kogan stellen sollen und müssen?

"Es gibt vier zentrale Punkte, die ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin vor einer solchen Kooperation klären sollte", erklärt Heinrichs.

  1. Wer sind meine Auftragsgeber?
  2. Was genau ist Gegenstand meines Projektes und verstehe ich auch wirklich, was von mir im Detail gewollt ist?
  3. Wofür sollen meine Erkenntnisse verwendet werden?
  4. Welche Mittel – zum Beispiel Daten – verwende ich im Rahmen des Forschungsprojektes und ist dies rechtlich legal und moralisch legitim?

"Manchmal zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine gewisse Naivität gegenüber ihren Auftraggebern", sagt Heinrichs. "Aber sie können sich nicht damit herausreden, dass sie nicht wussten, was mit ihren Forschungsergebnissen passiert. Sie müssen verstehen, wozu diese eingesetzt werden und sich dabei auch Gedanken über mögliche verdeckte Interessen von Unternehmen oder anderen Auftraggebern machen."

Vereinbarungen schriftlich festhalten

"Es könnte sein, dass Kogan sich zu wenig Gedanken darüber gemacht hat, beziehungsweise zu leichtsinnig damit umgegangen ist, dass die Verwendung der Daten moralisch nicht vertretbar und möglicherweise auch noch illegal sein könnte", sagt Heinrichs. "Hier hätte er sich womöglich besser informieren und sich gegebenenfalls gegen eine Kooperation entscheiden müssen."

Grundsätzlich sollten alle Vereinbarungen zwischen Wissenschaftlern und Kooperationspartnern schriftlich festgehalten werden. "Natürlich gehört zu einer Kooperation auch Vertrauen zwischen den Projektpartnern", betont Heinrichs. "Aber es ist dennoch gut, eine unabhängige Stelle mit einzubeziehen, wenn man sich unsicher ist." Die richtigen Ansprechpartner wären in einem solchen Projekt in Deutschland etwa Datenrechtler oder auch die Datenschutzbeauftragten der Hochschule oder des Landes gewesen.



Cambridge Analytica steht unter dem Verdacht, Millionen von Wähler in den USA per Facebook gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung für Donald Trump beeinflusst zu haben.

Beide Unternehmen sind inzwischen ins Visier von Ermittlungsbehörden in den USA und Großbritannien geraten. Der Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix, wurde suspendiert, nachdem herauskam, dass er vor verdeckten Reportern mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat nach dem wachsenden öffentlichen Druck mittlerweile entschuldigt. "Das war ein grober Vertrauensbruch und es tut mir sehr leid, dass das passiert ist", sagte er in einem CNN-Interview am Mittwochabend (Ortszeit). Neben CNN gab er zahlreichen weiteren US-Medien Interviews und beendet so sein tagelanges Schweigen. Er kündigte neben Reformen der sozialen Plattform an, – falls nötig – auch vor dem US-Kongress zu dem Datenskandal auszusagen.

kas/dpa