Studium Nichtakademiker: Knapp ein Drittel der Kinder studiert

Ein deutsches Forschungszentrum untersucht regelmäßig, welchen Hintergrund Studierende haben. Der Einfluss des Elternhauses ist noch immer enorm.

08.05.2018

Ob jemand in Deutschland ein Studium beginnt, hängt noch immer stark von seiner familiären Herkunft ab. So beginnen von 100 Kindern aus einer Akademikerfamilie 79 ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Von Kindern, deren Eltern nicht akademisch ausgebildet wurden, studieren dagegen nur 27 Prozent. Das zeigen die neusten Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

"Familien mit geringerem Bildungshintergrund tendieren häufig dazu, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotentials ihres Kindes", sagt Nancy Kracke, eine Autorin der Untersuchung. Bildungsnähere Elternteile, die mehr Möglichkeiten für die gezielte Förderung ihrer Kinder hätten, sähen einen höheren Bildungsabschluss dagegen "als Teil der Sicherung des eigenen sozialen Status der Familie", wie das DZHW es beschreibt. Beim Durchlaufen des Bildungssystems fände auf ähnliche Weise bei jeder Entscheidung eine erneute Selektion statt, die von der Bildungsnähe des Elternhauses beeinflusst werde.

Starkes Ungleichgewicht bei Kindern aus Akademikerfamilien mit und ohne Migrationshintergrund

Genauer betrachtet sind es 12 Prozent der Kinder, die bei zwei Elternteilen ohne einen beruflichen Abschluss nach dem Schulabschluss an eine Hochschule gehen. Hat mindestens ein Elternteil einen Berufsabschluss, steigt der Anteil auf 24 Prozent. 48 Prozent sind es, wenn mindestens ein Elternteil zusätzlich das Abitur als höchsten Schulabschluss erworben hat.

Im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Jahr 2009 hat sich die soziale Schere laut Mitteilung leicht geschlossen. So sind die Zugangsquoten zur Universität in allen sozialen Gruppen gewachsen. Bei Kindern aus Nichtakademiker-Familien verlief dieser Anstieg etwas steiler.

Das DZHW hat zudem untersucht, wie die Situation unter Kindern mit Migrationshintergrund aussieht. Kinder mit Migrationshintergrund, die außerdem aus einem nicht-akademisch geprägten Elternhaus stammen, seien demnach an deutschen Hochschulen genauso unterrepräsentiert, wie Personen ohne Migrationshintergrund, die aus einem ebenfalls nicht-akademischen Elternhaus stammen. Allerdings sei auffällig, dass Kinder aus einer Akademikerfamilie mit Migrationshintergrund viel stärker überrepräsentiert seien als Mitstudierenden aus Akademikerfamilien ohne Migrationshintergrund.

kas

aktualisiert: 09.05.2018, 14:00 Uhr