Mehrere Studierende, die an einem Tisch lernen
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Lehrermangel
Unis fordern bessere Bedingungen für Lehrkräftebildung

Die Berliner Unis wollen mehr Lehrerinnen und Lehrer ausbilden. Problematischer als die Studienplätze sei aber das mangelnde Interesse am Lehrberuf.

24.01.2023

Angesichts des akuten Lehrermangels haben die vier Berliner Universitäten ihre Bereitschaft signalisiert, sich weiter bei der Ausbildung von Lehrkräften zu engagieren und Kapazitäten gegebenenfalls auch aufzustocken. Allerdings müssten dazu die Rahmenbedingungen verbessert und auch neue Wege eingeschlagen werden, erklärten Vertreter der Freien Universität (FU), der Humboldt-Universität (HU), der Technischen Universität (TU) und der Universität der Künste am Montag.

Ein Punkt sei eine auskömmliche Finanzierung, aber auch Ausstattung mit Personal und Räumen. "In den letzten Jahren haben wir unsere Kapazitäten in der Lehrkräftebildung massiv erhöht", sagte der Vizepräsident für Lehre und Studium der HU, Professor Niels Pinkwart. Allerdings sei dies in den bestehenden Hochschulverträgen nicht ausfinanziert. Von der Politik ausgerufene kurzfristige Sonderprogramme oder Finanzspritzen seien wenig zielführend und "mit gravierenden Nachteilen" verbunden. Nachhaltige Strukturen ließen sich so nicht aufbauen, zudem sei der Verwaltungsaufwand unangemessen hoch.

Mehr Studienplätze allein beheben den Lehrermangel nicht

Die Uni-Vertreter betonten, dass es ohnehin nicht allein darum gehen könne, immer mehr Plätze in der universitären Lehrerausbildung zu schaffen. Nötig sei auch, dabei die Qualität hochzuhalten und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis sicherzustellen.

Als Problem benannten die Universitäten auch, dass es tendenziell weniger Bewerbungen für das Lehramt gibt und sich zahlreiche Studierende während des Bachelor- und des anschließenden Masterstudiums entschließen, es entweder abzubrechen oder mit den Abschlüssen beruflich andere Wege zu gehen. Diskutiert werden müssten daher auf breiter Ebene neue Strategien, um die Attraktivität der Ausbildung und des Lehrerberufs zu erhöhen und dafür zu werben, sagte die Vizepräsidentin für Lehrkräftebildung der Universität der Künste, Rebekka Hüttmann.

Die vier Unis boten im Wintersemester 2021/2022 nach eigenen Angaben 3.285 Studienplätze zum Bachelor mit Lehramtsoption sowie 2.369 Studienplätze zum Master of Education (Lehramt) an. Im selben Semester zählten sie 1.271 Bachelor- und 994 Master-Absolventen. Von der schon vor Jahren mit dem Senat vereinbarten Anzahl von jährlich 2.000 Absolventen im Lehramt sind sie damit weit entfernt.

Deutschlandweit fehlen über 12.000 Lehrerinnen und Lehrer

Einen massiven Mangel an Lehrkräften verzeichnet nicht nur Berlin, sondern auch die meisten anderen Bundesländer. Vielerorts wird daher derzeit über Gegenmaßnahmen diskutiert – unter anderem darüber, welche Bildungsabschlüsse für einen Quereinstieg in den Lehrberuf qualifizieren.

Nach Angaben der Kultusministerien der Länder sind bundesweit momentan mehr als 12.000 Lehrerstellen unbesetzt, wie aus einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in den 16 Bundesländern hervorgeht. Demnach gibt es im Saarland, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Bayern keine Lücken und in Hessen sogar ein Überangebot an Lehrerinnen und Lehrern. In Nordrhein-Westfalen fehlen dagegen mehr als 8.000, in Sachsen-Anhalt und Berlin mehr als 800, in Sachsen, Baden-Württemberg und Niedersachsen mehr als 400 und in Schleswig-Holstein mehr als 200 Lehrkräfte.

aktualisiert am 25.01.2023, zuerst veröffentlicht am 24.01.2023

dpa/ckr

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