Illustration einer Menschenmenge, aus der einzelne Personengruppen ausgewählt werden
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Forschungsförderung
Wie Drittmittel fairer verteilt werden könnten

Die Antragskriterien und Auswahlprozesse von Förderprogrammen können Forschende strukturell benachteiligen. Ein Report zeigt, was schiefläuft.

20.01.2023

Forschungsförderer sollten ihre Auswahlkriterien dahingehend überprüfen, ob sie zu "strukturellen Ungleichheiten" beitragen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Oxford Universität und des britischen Forschungsförderers Wellcome Trust. Zuerst hatte das Portal "Times Higher Education" berichtet. Potenzielle Benachteiligung sieht der Report etwa hinsichtlich des Gesundheitszustands oder elterlicher Versorgungspflichten von Forschenden.

Bei der Beantragung von Drittmitteln sind häufig nur Forschende in definierten Karrierephasen zugelassen, deren Promotion eine bestimmte Anzahl an Jahren zurückliegt. Förderer sollten damit aufhören, Forschende, die nicht in das Schema passen, von der Beantragung auszuschließen, da solche Verbote unterrepräsentierten Gruppen unverhältnismäßig schaden können, so der Bericht. Auch bereits bestehende Ausnahmen von Regeln zum "akademischen Alter" – zum Beispiel die Anrechnung von Auszeiten für die Kinderbetreuung – seien nicht hilfreich, weil "jeder, der eine Ausnahme darstellt, sich ausgegrenzt fühlen kann".

"Unverhältnismäßige Auswirkungen auf marginalisierte Forschende" habe es auch, wenn Förderprogramme es nicht oder nur eingeschränkt zulassen, dass sich Forschende erneut bewerben. Erfolglosen Bewerberinnen und Bewerbern solle zudem konstruktives Feedback gegeben werden. Außerdem sollen Förderprogramme laut Report möglichst keine Beschränkungen bei den Bewerberzahlen enthalten, da die dafür nötige zusätzliche Auswahlebene "anfälliger für Vorurteile" sei. Auch eng gefasste Bewerbungszeiträume und Bewerbungsfristen im Anschluss an Schulferien sollen demnach vermieden werden, um möglichst allen Lebenssituationen von Forschenden die gleichen Chancen einzuräumen. Forschende mit familiären Betreuungspflichten dürften nicht benachteiligt werden, indem sie effektiv weniger Zeit erhalten, Drittmittelanträge zu verfassen.

Bei der Auswahl der Geförderten sollen darüber hinaus keine Interviews, narrativen Abschnitte in Lebensläufen oder bisherige Preise und Fördergelder der Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden, heißt es in dem Bericht. Diese Angaben würden auf unfaire Weise besonders "selbstbewussten, selbstdarstellenden, wettbewerbsfähigen oder überzeugenden" Personen zugute kommen, obwohl diese Eigenschaften für das zu fördernde Projekt nicht relevant seien.

Wer eine faire und gerechte Forschungsförderung wolle, müsse hinterfragen, wie Qualität und Potenzial in der Wissenschaft bewertet werden. Insgesamt sollten Forschungsförderer die Anträge und Auswahlprozesse ihrer Programme einfacher und inklusiver gestalten, so der Report.

ckr

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