Mann steht an einem Schreibtisch und unterzeichnet einen Vertrag oder Antrag auf einem Klemmbrett, das neben einem Laptop liegt
mauritius images / Zoonar GmbH / Alamy / Alamy Stock Photos

Forschungsförderung
Junge Akademie kritisiert Drittmittel-Vergabe

Viele Forschungsgelder sind Drittmittel. Der enorme Aufwand für deren Beantragung werde unterschätzt, bemängeln Mitglieder der Jungen Akademie.

01.02.2022

Hoher Aufwand, geringer Nutzen: Aktive und ehemalige Mitglieder der Jungen Akademie (JA) haben in einer am Montag veröffentlichten Publikation das gängige Vergabesystem für wissenschaftliche Fördermittel kritisiert. Zahlreiche Förderprogramme für Drittmittel seien für die Beantragenden mit hohem Aufwand bei geringen Erfolgsaussichten verbunden. Dadurch nützten sie der Wissenschaft oft überraschend wenig. Die Forschungsförderer sollen daher die eigenen Förderinstrumente hinsichtlich ihrer Effizienz überprüfen, fordern die Autorinnen und Autoren. Auch alternative Antragsverfahren seien wünschenswert. Als Beispiele nennt das Papier zweistufige Antragsverfahren, Förderlotterien und Peer-to-Peer-Funding.

Viele Drittmittelanträge erforderten ähnlich viele Arbeitsstunden wie sie bei Bewilligung wieder ausschütteten, insbesondere bei niedrigeren Fördersummen. Die Mittelgeber und Forschenden hätten diese Kosten häufig nicht im Blick. Zudem werde der Aufwand für detaillierte Anträge und Begutachtungen "nur sehr eingeschränkt dem Anspruch gerecht", die beantragten Forschungsprojekte zuverlässig nach ihrer Forschungsqualität zu sortieren und zu bewilligen.

"Das derzeitige Drittmittelsystem kommt in vielen Fällen einer Lotterie nahe – allerdings einer sehr ineffizienten Lotterie", sagte JA-Mitglied und Mitautor Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Radboud University Medical Center. Die Vergabe von Forschungsmitteln über einen Wettbewerb von Anträgen sei in vielen Ländern gängige Praxis, die Forschungsförderung über die Grundausstattung der Universitäten sei vergleichsweise zu gering. Das müsse sich ändern.

Die Autorinnen und Autoren der Publikation wünschen sich mehr Transparenz beim durchschnittlichen Aufwand und den Erfolgsaussichten der Förderprogramme. Dafür haben sie ein Online-Tool entwickelt, mit dem Antragstellende selbst den gewünschten Förderbetrag mit dem zu erwartenden Zeitaufwand abgleichen können.

ckr

0 Kommentare