Premier Boris Johnson vor der Eingangstür der Downing Street
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Europäische Forschung
Wissenschaft fürchtet britischen Ausstieg aus "Horizon"

Vertreter aus der Wissenschaft drängen auf ein schnelles Abkommen mit Großbritannien zur Forschung. Dabei sei auch das Entgegenkommen der EU gefragt.

23.07.2020

Der britische Wellcome Trust macht Druck in den Verhandlungen zur Forschungszusammenarbeit zwischen EU und Großbritannien nach der Übergangszeit des Brexits. "Wir schulden es den künftigen Generationen in Großbritannien, der EU und weltweit, dass wird das Beste aus den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien herausholen", heißt es in dem von der Stiftung initiierten Schreiben europäischer Wissenschaftsvertreter. Aus Deutschland haben die Gruppe der forschungsstarken Universitäten U15, der Stifterverband und verschiedene Max-Planck-Institute unterschrieben haben.

Die bisherigen Absprachen könnten laut Ansicht der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dazu führen, dass Großbritannien aus dem "Horizon"-Programm aussteige, was wertvolle Kooperationen der vergangenen Jahre zerstören würde. "Wir fordern beide Seiten auf, die Verhandlungen mit frischer Energie, der Bereitschaft für Kompromisse und einem Blick auf das Notwendige für einen erfolgreichen Ausgang der Verhandlungen zu führen."

Horizon: Finanzielle Absicherung für Drittstaaten gefordert

Nach aktuellem Stand sei lediglich die EU abgesichert, dass Drittländer wie Großbritannien keine Nettoempfänger des "Horizon"-Programms sein dürften, also deutlich mehr Fördergeld erhalten würden als sie einzahlten. Eine solche Regelung müsse laut Ansicht der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner auch umgekehrt gelten. Ansonsten könne die britische Regierung die Teilhabe nur schwer gegenüber der Bevölkerung rechtfertigen.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner begründen ihre Forderung auch damit, dass der Anteil der Förderungen britischer Forschender über die vergangenen Jahre deutlich gesunken sei. Während Großbritannien 2015 nach Angaben der britischen "Royal Society" noch rund 16 Prozent des Geldes erhalten habe, seien es 2018 nur noch 11 Prozent gewesen. Das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent.

Großbritannien müsse wiederum, wie etwa die USA, eine Kontrolle der EU über den Einsatz des Geldes akzeptieren. Auch solle es das Budget für die Beteiligung am "Horizon"-Programm fest in seinem Haushalt einplanen. Beide Seiten sollten zudem überlegen, wie die Mobilität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen EU und Großbritannien gewährleistet werden solle. Als Orientierung könne das "Global Talent Visa" Großbritanniens dienen.

Kritik gab es aus der Wissenschaft auch an den grundsätzlichen Plänen zu "Horizon". Der EU-Gipfel endete am Montag mit einer deutlichen Kürzung des Budgets für das Forschungsrahmenprogramm verglichen mit dem ursprpnglichen Vorschlag der Kommission. Die Hoffnung liegt auf dem Parlament, das sich in der Regel für ein deutlich höheres Budget für Forschung und Bildung ausgesprochen hat.

kas

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