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US-Präsidentschaftswahl 2016
Russische Twitter-Kampagne hat US-Wahl nicht beeinflusst

Während der US-Wahl 2016 gab es russische Versuche, das Wahlergebnis zu beeinflussen. Zumindest über Twitter haben sie keine Wirkung gezeigt.

18.01.2023

Russland hat sich nachweislich über soziale Medien in den Wahlkampf der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 eingemischt, um die Stimmabgaben zugunsten des republikanischen Kandidaten Donald Trump zu beeinflussen. Die russische Kampagne auf Twitter während des Wahlkampfs hat dabei nur eine kleine Gruppe an Nutzerinnen und Nutzern erreicht – überwiegend Anhängerinnen und Anhänger der Republikaner. Bei den Nutzerinnen und Nutzern, die den Beeinflussungsversuchen ausgesetzt waren, gab es jedoch keine messbaren Änderungen in deren politischer Einstellung oder Wahlverhalten. Das geht aus einer in der Fachzeitschrift "Nature Communications" erschienenen Studie eines internationalen Forschungsteams hervor, an der Forschende der New York University (NYU), der Technischen Universität München (TUM), der Universität Kopenhagen und des Trinity College Dublin beteiligt waren.

Für die Studie haben die Forschenden Daten aus Twitter-Accounts und Antworten aus Fragebögen aus dem Zeitraum von März bis November 2016 von 1.500 Bürgerinnen und Bürgern ausgewertet, die für die US-amerikanischen Wahlberechtigten repräsentativ waren. Die Analyse habe ergeben, dass nur ein kleiner Teil der Bürgerinnen und Bürger den Beeinflussungsversuchen ausgesetzt war: 70 Prozent der in den Accounts festgestellten russischen Tweets konzentrierten sich auf ein Prozent der Nutzerinnen und Nutzer. Überzeugte Republikanerinnen und Republikaner seien dabei ungefähr neunmal so oft von den Tweets erreicht worden wie Demokratinnen und Demokraten oder Partei-ungebundene Bürgerinnen und Bürger. Die politische Haltung und das Wahlverhalten der Erreichten habe die Kampagne nicht verändert.

"Trotz der massiven Bemühungen, den Präsidentschaftswahlkampf in den sozialen Medien zu beeinflussen und der weitverbreiteten Annahme, dass diese Einmischung eine Wirkung auf die US-Wahl 2016 hatte, war die mögliche Einwirkung durch russische Trolle tatsächlich stark auf einen kleinen Teil der amerikanischen Wählerschaft konzentriert", sagte Studienautor Professor Joshua Tucker von der NYU.

US-Wahlkampf in den sozialen Medien

Die Studie habe auch gezeigt, dass die Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer deutlich mehr Inhalte von heimischen als von russischen Accounts erhielten. Im Durchschnitt hätten die Befragten im Oktober 2016 vier Tweets aus Russland pro Tag bekommen, aber 106 Tweets von US-Nachrichtenmedien und 35 Tweets von Politikerinnen und Politikern aus den USA.

Zum US-Wahlkampf und zur russischen Manipulationskampagne gehörten laut den Forschenden jedoch neben Twitter noch weitere Medienformate und Maßnahmen. Anhand der Studienergebnisse zur russischen Twitter-Kampagne könne man daher einen möglichen Einfluss anderer Teile der russischen Kampagne auf das Wahlergebnis oder das Vertrauen in die Integrität der Wahl nicht ausschließen.

ckr

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