Nahaufnahme von Händen eines Mannes im Kongo, der wegen einer Affenpocken-Infektion einen Hautausschlag hat
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Virus-Erkrankung
Affenpocken verbreiten sich in immer mehr Ländern

In Europa und Nordamerika treten immer mehr Fälle von Affenpocken beim Menschen auf. Gesundheitsbehörden mahnen zu Wachsamkeit.

19.05.2022

Fälle der eigentlich seltenen Affenpocken wurden in den vergangenen Wochen in immer mehr Ländern bei Menschen nachgewiesen. Bekannt sind laut Berichten von Medien und Gesundheitsbehörden bislang mehrere Fälle der Virus-Erkrankung in Großbritannien, Spanien, Portugal, Italien, Schweden, Belgien, Frankreich sowie in Australien, den USA und Kanada. In Deutschland hat das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München am Donnerstag bei einem Patienten Affenpocken nachgewiesen.

Bei der Mehrheit der bisher bekannten Fälle sind Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten. Die Verbindungen zwischen Betroffenen sind aber nur teilweise bekannt; teils ist unklar, wo sich Erkrankte angesteckt haben. Die erste bekanntgewordene Infektion soll auf eine Ansteckung in Nigeria zurückgehen.

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus einigen Regionen Afrikas bekannt. Bereits angesichts der ersten Fälle in Großbritannien Anfang Mai hatte das Robert Koch-Institut (RKI) Ärztinnen und Ärzte in Deutschland für die Virusinfektion sensibilisiert. Laut RKI sollten Affenpocken bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, auch wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zu einer rigorosen Verfolgung aller Kontakte der Betroffenen aufgerufen.

Krankheitsverlauf und Symptome bei Affenpocken

Die Virus-Erkrankung ruft nach Angaben der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Ansteckend seien nur symptomatisch Erkrankte bei engem Kontakt. Zu den ersten Krankheitsanzeichen zählten: Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es könne sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreite. Der Ausschlag sehe je nach Phase unterschiedlich aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln.

Es gibt keine spezifische Therapie und keine Impfung gegen Affenpocken. Bei den meisten Betroffenen verschwinden sie ohne Behandlung wieder. Der Nachweis erfolgt wie beim Coronavirus und anderen Erregern mit einer Probe des Betroffenen über einen sogenannten PCR-Test.

Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Die Impfung schützte auch recht gut vor einer Infektion mit Affenpocken. Wie das RKI erläutert, haben allerdings weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile keinen Impfschutz mehr. In Nigeria würden nun seit 2017 vermehrt Affenpocken-Infektionen beim Menschen diagnostiziert – und vereinzelt auch Fälle in Verbindung mit Reisen dorthin, vor allem im Vereinigten Königreich.

Affenpocken könnten Nische der Menschenpocken übernehmen

Fälle außerhalb von Afrika waren jedoch bislang selten, die derzeitige überregionale Häufung ist ungewöhnlich, berichtet das Magazin "Spektrum". Aus noch ungeklärten Gründen steige die Zahl der Infektionen und Ausbrüche deutlich an, deswegen gälten die Affenpocken als potenzielle globale Gefahr. Besonders afrikanische Fachleute warnten angesichts dieser Trends, dass die Affenpocken von einer regional verbreiteten Zoonose zu einer global relevanten Infektionskrankheit werden könnte. Das Virus besetze womöglich die ökologische und immunologische Nische, die das Pockenvirus einst einnahm.

Fachleute vermuten, dass der Erreger der Affenpocken in Nagetieren in Zentral- und Westafrika zirkuliert und von dort immer wieder auf Menschen überspringt. Affen gelten als sogenannte Fehlwirte, sind aber Namensgeber, weil die Viren dort zuerst entdeckt wurden.

"Infektionen können durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden", heißt es im RKI-Bericht. Übertragungen von Mensch zu Mensch durch Kontakte mit Körperflüssigkeiten oder Krusten seien mit Infektionsketten von bis zu sechs Menschen beschrieben. Auch die sexuelle Übertragung von Pockenviren sei möglich, ebenso wie über Tröpfchen und Aerosole.

Die Deutsche Aidshilfe warnt vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung schwuler Männer und von Menschen aus Afrika. Bei den Affenpocken gebe es nur oberflächliche Ähnlichkeiten zu HIV, aber in vielen anderen Punkten passe der Vergleich nicht.

zuletzt aktualisiert am 20.05.2022 um 14.03 Uhr, zuerst veröffentlicht am 19.05.2022

ckr/dpa