Logo von Twitter auf einer Backsteinwand
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Wissenschaftskommunikation
Wie finnische Forscher Twitter für sich entdeckten

Unter #minätutkin haben zahlreiche Forschende aus Finnland ihre Arbeit vorgestellt. Ausgelöst und angespornt wurde der Twitter-Trend durch Kritik.

17.11.2021

In Finnland ist aus Kritik eine Twitter-Kampagne für die Wissenschaft der besonderen Art entstanden: Zahlreiche Forschende haben dort in den vergangen Wochen unter dem Hashtag #minätutkin (übersetzt "ich forsche") in Kurzfassung und einfachen Worten den Kern ihrer Arbeit beschrieben. Zuerst hatten einige finnische Medien und "Nature" über das Phänomen berichtet.

Ausgelöst hatte den Trend demnach ein finnischer Journalist, der im August auf Twitter den Wert bestimmter Forschungsprojekte infrage stellte. Er vertrat die Ansicht, diese sollten nicht durch Steuermittel finanziert werden. Andere hätten sich der Kritik angeschlossen, eine wochenlange scharfe Debatte sei entbrannt zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der einen Seite und Journalistinnen und Journalisten auf der anderen.

Unter denjenigen, die die Wissenschaft verteidigten, waren Sami Syrjämäki vom Verband der finnischen Gelehrtengesellschaften in Helsinki und Tapio Määttä, akademischer Rektor der University of Eastern Finland. Zusammen hätten sie Anfang September die Idee zur Kampagne entwickelt, inklusive des Hashtags. Die Universität Oulu, eine der größten akademischen Einrichtungen Finnlands, habe ihre Forschenden zur Teilnahme ermutigt, andere seien gefolgt.

Vier Tage lang sei #minätutkin der beliebteste Twitter-Hashtag in Finnland gewesen. Bis Mitte November sei er über 10.000 Mal verwendet worden – nicht wenig für ein Land mit einer Bevölkerung von 5,5 Millionen Menschen.

Eine Nutzerin schrieb beispielsweise über ihre Forschung (aus dem Finnischen übersetzt): "In meiner Dissertation habe ich auch aus fachpädagogischer Perspektive erforscht, wie das Erlernen digitaler Kompetenzen von älteren und geistig behinderten Menschen durch Peer-Learning unterstützt werden kann. Dies ist ein neues Thema, digitale Fähigkeiten werden überall benötigt, aber wie unterstützen wir ihr Lernen?"

Vorbild für Forschende in anderen Ländern?

Ein anderer Forscher schrieb über seine Arbeit (aus dem Finnischen übersetzt): "Störungen des glymphatischen Systems – der Schlüssel zu vielen Hirnerkrankungen? Wir stehen an der Wurzel eines Paradigmenwechsels, der die Diagnose, Behandlung und Prävention vieler Hirnerkrankungen revolutionieren könnte."

Syrjämäki vermutet, dass die Kampagne auch geholfen habe, die Regierung von geplanten Kürzungen im Forschungshaushalt 2022 abzubringen. "Diese Art von Kampagne könnte leicht in jedem Land reproduziert werden, in dem ähnliche Dinge passieren", sagte er gegenüber "Nature".

korrigiert am 18.11.2021, zuerst veröffentlicht am 17.11.2021. Korrektur einer fehlerhaften Übersetzung des Tweets zu "Störungen des glymphatischen Systems".

ckr

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