Campus der Carnegie Mellon University in den USA
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Open Access
US-Uni schließt Vertrag mit Elsevier – Deutschland will mehr erreichen

In den USA hat die erste Universität einen Vertrag mit dem Verlag Elsevier geschlossen. Für das deutsche "Deal"-Projekt sei das jedoch kein Vorbild.

27.11.2019

Die private Carnegie Mellon University in Pittsburgh hat als erste Universität in den USA einen Vertrag mit dem Verlag Elsevier geschlossen. Vergangene Woche einigten sich die beiden Vertragspartner laut einer Mitteilung des Verlags auf eine "Read and Publish"-Lizenz. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben damit Zugriff auf alle Wissenschaftszeitschriften von Elsevier und können ihre Artikel ab 2020 über Open Access zugänglich machen.

Die Universität will nun andere Einrichtungen in ihren Verhandlungen mit Elsevier unterstützen, wie "Inside Higher Ed" berichtete. Für die stockenden Verhandlungen in Deutschland sei das jedoch keine Hilfe. Das gelte genauso für das ebenfalls in diesem Jahr getroffene Abkommen, das norwegische Forschungseinrichtungen mit Elsevier getroffen hatten. Das Preis-Leistungsverhältnis habe keinen Vorbildcharakter, sagte Frank Scholze gegenüber Forschung & Lehre. Der Direktor der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist stellvertretender Sprecher der deutschen "Deal"-Verhandlungsgruppe, die bundesweite Lizenzen mit den großen Wissenschaftsverlagen aushandeln will.

Details zu dem ausgehandelten Konditionen aus den USA sind nicht bekannt. Die bisherige Gebühr für die Universität liegt laut Berichterstattung von "Inside Higher Ed" bei 1,65 Millionen US-Dollar im Jahr. Rund 175 Artikel seien über den Verlag veröffentlicht worden. Das ist vergleichsweise wenig, weil Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität vorwiegend in Zeitschriften mit einem Fokus auf Ingenieur- und Computerwissenschaften veröffentlichten. Auch deshalb sei eine Einigung laut Bericht leichter gewesen.

"Wir wollen ein Angebot für eine viel höhere Zahl an Veröffentlichungen für einen vergleichsweise geringeren Stückpreis mit Elsevier aushandeln", sagte Scholze gegenüber Forschung & Lehre. Genau da liege der Knackpunkt. Gespräche liefen jedoch weiterhin.

HRK: Transformationsverträge nur Übergangslösung

Mit Wiley hat die Verhandlungsgruppe bereits einen Vertrag geschlossen. Dieser läuft bis Ende 2021. Mit Springer Nature hatte man im Sommer ein "Memorandum of Understanding" geschlossen. Der zugehörige Vertrag soll noch in diesem Jahr folgen.

Wiley erhält laut dem online veröffentlichten Vertrag 2.750 Euro pro Artikel. Der Betrag ergibt sich aus den Kosten für die bisherigen Subskriptionsverträge für die Bibliotheken. Diese zahlten die Bibliotheken vorläufig auch weiterhin, neuerdings jedoch nicht an den Verlag, sondern an die neu eingerichtete "Max Planck Digital Library". Diese rechne dann mit Wiley ab. Der interne Umstellungsprozess auf das neue publikationsbasierte Bezahlmodell brauche noch Zeit, begründet das "Deal"-Team. Geplant sei mittelfristig, dass die "Max Planck Digital Library" die Anzahl der Artikel pro Institution ermittele und danach mit diesen abrechne. Wie genau das geschehe, müsse jedoch in einem Anschlussvertrag noch festgelegt werden.

Die Kritik an weiterhin zu hohen Kosten wies die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Mittwoch zurück. Es handele sich um Transformationsverträge, die den Übergang zwischen dem bisherhigen Subskriptionsmodell und der Etablierung von Open Access sicherstellen sollten, schrieb die Hochschulvertretung in der "FAZ". Dadurch solle zunächst die ursprünglich von den Verlagen geplanten Kostensteigerung begrenzt werden, während Autorinnen und Autoren durch die Open Access-Veröffentlichung mehr Leistungen erhielten.

Daran anschließend müsse ein internationaler Rahmen geschaffen werden, der den Druck auf die Verlage weiter erhöhe und die Kosten senke. Der amtierende EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, Carlos Moedas, plädiert zuletzt für einen europaweiten "Deal". Derzeit haben die europäischen Länder einzelne Verträge mit Verlagen abgeschlossen.

kas

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