Stapel aus Holzwürfeln mit verschiedenen aufgedruckten Symbolen für Nachhaltigkeit
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Standpunkt
Den Weg für klimaneutrale Wissenschaft ebnen

Wie kann die Wissenschaft ihren "Klima-Fußabdruck" verringern? Kai Gehring schlägt ein Förderprogramm für klimaneutrale Unis vor.

Von Kai Gehring 14.04.2023

Die Wissenschaft leistet einen wertvollen und fundamentalen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise, zugleich hat sie selbst einen großen CO2-Fußabdruck. Viele Lehr- und Forschungsbauten wurden in den 1960er und 1970er Jahren errichtet und sind aufgrund von Sanierungsstaus zu energetischen Dinosauriern geworden. In der Energie- und Energiesouveränitätskrise der letzten Mo­nate kamen die meisten Hochschulen und Forschungseinrichtungen trotzdem gut durch den Winter. Einem Großteil gelang es, die vorgesehenen Energie-Einsparziele von 20 Prozent einzuhalten.

Das zeigt, was möglich ist: Beim Energieverbrauch an Hochschulen und Forschungseinrichtungen gibt es offenkundig Effizienz- und Einsparpotenziale, die sich heben lassen. Dieses Momentum sollten wir nutzen, um den "Klima-Fußabdruck" der Wissenschaft nachhaltig zu verkleinern. Die Zukunftsaufgabe liegt jetzt darin, über die akuten Sparpläne hinaus an der klimaneutralen Modernisierung der Wissenschaftseinrichtungen zu arbeiten und sie beherzt zu Vorreiterinnen für Klimaneutralität zu entwickeln.

Immer mehr Menschen, die an Universitäten, HAWs und Forschungsinstituten arbeiten, wollen die Transformation aktiv mitgestalten: Viele Forschende, Studierende, Mitarbeitende sowie Leitungen der Wissenschaftseinrichtungen wollen in Richtung Klimaneutralität steuern. Längst ist mehr Kreativität für Klimaschutz gefragt und entfacht.

Anreize für klimaneutrale Hochschulen schaffen

Um diesen Transformationswillen zu unterstützen und nachhaltigen ökologischen Fortschritt zu erzielen, wäre ein Bund-Länder-Programm hilfreich, das Anreize für die klimaneutrale Modernisierung unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen setzt: Eine "Innovationsinitiative klimaneutraler Campus", die unter anderem Einsparungen bei Betriebskosten bringt, bauliche Innovationen fördert oder grünere Campi honoriert. Ein solches Programm kann passgenaue Anreize setzen und Förderungen enthalten, die Universitäten, Hochschulen und Uniklinika sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen offenstehen.

Ein Weg bei der Ausgestaltung eines solchen Programms könnte sein, dass Einrichtungen, die sich mit einem "Gesamtkonzept für Klimaneutralität" bewerben, Mittel erhalten, um ihre Klimabilanzen von Forschungsinfrastrukturen, Großrechenanlagen, Gebäuden oder Mobilität zu verbessern.

Forschende beraten Politik und Gesellschaft zuverlässig, wie wirksame Klimaschutzpolitik, die sozial-ökologische Transformation und das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele gelingen können. Machen wir die Wissenschaftscampi zu Reallaboren für eine klimagerechte Gesellschaft. Damit würden Campi zu Pionier-Orten, an denen Transformation sichtbar und erfahrbar wird und die ins Umfeld ausstrahlen.