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Internationaler Tag des Glücks Verweile doch, du bist so schön

Am 20. März feiert die Welt den Internationalen Tag des Glücks. Wofür steht er und was verstehen Wissenschaftler unter Glück?

20.03.2018

Das "Streben nach Glück" ist in der Unabhängigkeitserklärung der USA als Recht festgehalten. Die Vereinten Nationen bezeichnen es als "grundlegendes Ziel des Menschen" und haben dem Glück einen Aktionstag gewidmet, den heutigen 20. März.

Was ist Glück?

Aus neurobiologischer Sicht fühlen wir uns dann glücklich, wenn eine Art guter Cocktail aus körpereigenen Chemikalien durchs Hirn strömt. Oxytocin wird umgangssprachlich auch als "Kuschelhormon" bezeichnet und etwa bei Umarmungen oder auch beim Orgasmus ausgeschüttet, bei Frauen auch während der Geburt und beim Stillen. Als sogenanntes Bindungshormon macht es uns entspannter, vertrauensseliger und monogamer.

Ein Hochgefühl empfinden wir ebenfalls, wenn mehr Dopamin gebildet wird. Der Botenstoff regt im Hirn das mesolimbisches System an, das "positive Belohnungszentrum". Dort entsteht ein Glücksgefühl. Dopamin spielt auch bei der Produktion von Endorphinen eine Rolle. Dies sind gewissermaßen körpereigene Drogen, die allerdings keine starken Nebenwirkungen haben. Endorphine lindern vor allem Schmerzen und stimulieren das Immunsystem.

"Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!" Johann Wolfgang von Goethe: Faust II

Auch die Ökonomik setzt sich auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Biologie und Psychologie mit dem Glück auseinander. Dabei kommen Forschende etwa zu dem Schluss, dass sich wichtige Determinanten für das individuelle Wohlergehen im sozialen Bereich finden ließen. Wichtige Faktoren seien Freunde, Familie sowie die Gesundheit. Wer sich in seiner Familie und unter Freunden angenommen fühlt, meistere auch schwierigere Lebensphasen leichter. Auch wer sich sozial engagiere, lebe im Schnitt zufriedener.

Zwar wirkten sich laut Erkenntnissen vom Max-Planck-Institut für Ökonomik auch Arbeit und Beschäftigung auf das individuelle Wohlergehen aus, doch ließen sich Einkommenserhöhungen nicht linear in ein höheres Glücksgefühl übersetzen – lediglich in Fällen großer Armut sei dies der Fall. Mit zunehmendem Einkommen würden andere Aspekte für die Lebenszufriedenheit wichtiger, etwa der Vergleich mit anderen oder mit den eigenen Erwartungen. Auch die Arbeitslosigkeit senke die Lebenszufriedenheit weit stärker und nachhaltiger, als dies durch den bloßen Verlust von Einkommen erklärt werden könnte.

Liegt Glück in den Genen?

Zum Teil ja. Der Schlüssel zum Glück lautet SLC6A4. Dieses Gen leitet das Hormon Serotonin in die Zellen weiter, und das lässt uns entspannt und gut gelaunt sein. Forscher gehen, grob gesagt, von zwei Arten dieses Gens aus: einer Langform und einer Kurzform. Wer ein längeres Gen hat, der hat mehr Serotonin in den Zellen – und sieht eher das Positive. Ein kürzeres Gen macht anfälliger für Pessimismus.

Wissenschaftler vermuten, dass Gene allgemein für ein Drittel bis zur  Hälfte unseres Wohlbefindens verantwortlich sind. Das könnte erklären, warum manche Menschen von Natur aus glücklicher wirken als andere – obwohl sie unter vergleichbaren Lebensumständen lebten. Eineiige Zwillinge haben wiederum ein sehr ähnliches Glücksniveau, auch dann, wenn sie an unterschiedlichen Orten wohnen.

Wo leben die glücklichsten Menschen?

Finnland wurde 2018 im World Happiness Report zum glücklichsten Land der Welt erkoren. Kein anderes Volk ist insgesamt langlebiger, freigiebiger und weniger korrupt als die Finnen. Es folgen Norwegen, Dänemark und Island. Deutschland schafft es auf Platz 15.

Erstmals wurde in dem Bericht auch die Zufriedenheit von Einwanderern in 117 Ländern untersucht. Es zeigte sich, dass in Finnland auch die glücklichsten Migranten leben. Deutschland landet in dieser Kategorie auf Platz 28. Grund sei weniger die Einwanderungspolitik Deutschlands, erklärte Martijn Hendriks von der Erasmus Universität in Rotterdam, sondern die Herkunft der Einwanderer. Viele kämen aus Kriegsländern wie Syrien oder aus armen Ländern und seien damit schon in ihrer Heimat weniger glücklich gewesen.



Was im Großen für die Welt gilt, gilt in Deutschland im Kleinen: Nordluft macht glücklich. In Hamburg und Schleswig-Holstein leben laut "Glücksatlas 2017" die zufriedensten Menschen. Auf einer Skala von 0 bis 10 erreichen die Deutschen insgesamt einen Wert von 7,07, Schleswig-Holstein kommt auf 7,43. Erfragt wurde die subjektive Lebenszufriedenheit. Die Deutschen sind also ziemlich glücklich, und das schon seit Jahren auf etwa diesem Niveau.

Die Forscher vermuten, dass vor allem die norddeutsche Mentalität für die Spitzenwerte verantwortlich ist. Die östlichen Bundesländer belegen zwar die hinteren Plätze, aber die Kluft zum Westen ist nur noch gering. Zwischen dem Erstplatzierten und dem Letzten (Sachsen-Anhalt) beträgt der Abstand nur 0,6 Punkte.

Wie wurde das Glück zu einem Ziel der Vereinten Nationen?

2011 hat die UN-Generalversammlung die Resolution 65/309 verabschiedet mit dem Titel "Glück: auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Konzept für Entwicklung". Am 2. April 2012 fand auf Einladung Bhutans ein Treffen mit Vertretern aus 68 Nationen statt zum Titel: "Glück und Wohlbefinden: Definition eines neuen ökonomischen Paradigmas". Glück wurde damit zu einem Indikator eines neuen Wirtschaftsparadigmas. Beschlossen wurde der Internationale Tag des Glücks am 28. Juni 2012.

"Wohlergehen in puncto Sozialem, Wirtschaft und Umwelt sind nicht voneinander zu trennen. Zusammen definieren sie das globale Brutto-Glück." UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

Stark für einen internationalen Weltglückstag eingesetzt hat sich der UN-Botschafter Jayme Illien. Auch die Rolle des Königsreich Bhutans wird mit Blick auf die Gründung eines Weltglückstags hervorvorgehoben. Bhutan prägte den Begriff des Bruttonationalglücks und nahm in 2008 in seine Verfassung auf.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte zu dem UN-Ziel: "Wir brauchen ein neues Paradigma für die Wirtschaft, welches die Gleichwertigkeit der drei Nachhaltigkeitssäulen beachtet. Wohlergehen in puncto Sozialem, Wirtschaft und Umwelt sind nicht voneinander zu trennen. Zusammen definieren sie das globale Brutto-Glück."


UN-Botschafter Jayme Illien spricht beim Internationalen Tag des Glücks 2017


kas/dpa