Das Team von Dr. Mylene Hübecker vom Universitätsklinikum Bonn bei einem Zoom-Meeting
privat

Arbeiten in der Corona-Pandemie
Wenn das Labor zur willkommenen Offline-Zeit wird

Zwischen Videokonferenzen und Laborarbeit unter Corona-Schutzvorschriften: Unsere Autorin blickt zurück auf das Arbeitsjahr 2020.

Von Mylene Hübecker 28.12.2020

Ich arbeite als Wissenschaftlerin am Institut für angeborene Immunität des Universitätsklinikums Bonn. Als Anfang des Jahres die Corona-Pandemie rasant ihren Lauf nahm, wurde unser analoger Arbeitsalltag auf den Kopf gestellt. Man sollte meinen, dass für uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die virtuelle Zusammenarbeit kein Neuland sei. Die Forschung lebt von internationalen Kollaborationen, die hauptsächlich per Telekonferenz oder E-Mail stattfinden. Das virtuelle Arbeiten hat in der derzeitigen Pandemie jedoch ganz andere Maßstäbe angenommen, als wir Anfang 2020 geahnt hatten.

Zunächst einmal mussten wir uns zwischen virtueller und analoger Zusammenarbeit besser im Team koordinieren als sonst. Per E-Mail besprechen wir Projekte, Bestellungen und Personalangelegenheiten, alltägliche Chatnachrichten schicken wir über den Instant-Messaging-Dienst "Slack" und One-on-One Meetings oder größere Institutsmeetings führen wir virtuell über Zoom. Wie ich selbst gemerkt habe, kann das schnell zur Überforderung führen: Zum Beispiel, wenn dauernd E-Mails empfangen werden, während man gleichzeitig versucht einen Vortrag über Zoom zu halten.

Generell wurde mir irgendwann klar, dass man virtuell viel mehr Termine an einem Tag schafft als sonst. Man muss nicht von einem zum anderen Institut quer durch Bonn fahren um an dem Meeting teilnehmen zu können – man bleibt einfach in seinem Büro sitzen und macht Zoom an. Allerdings stellte sich heraus, dass Videokonferenzen viel anstrengender sind als persönliche Gespräche vor Ort und nach einem ganzen Tag vor dem Bildschirm ist man richtig entkräftet.

"In meinem Beruf ist das Homeoffice kaum umzusetzen, da wir unsere experimentellen Arbeiten vor Ort im Labor durchführen."

Wie man sich schon vorstellen kann, ist in meinem Beruf das Homeoffice kaum umzusetzen, da wir unsere experimentellen Arbeiten vor Ort im Labor durchführen. Die offline Zeit im Labor ist und bleibt somit für mich ein willkommener Ausgleich zu meiner derzeit erhöhten Online-Präsenz.

Um eine virtuelle Zusammenarbeit im Team grundsätzlich erstmal zu ermöglichen, war es überraschend gut, dass die Universität Bonn Zoom als Tool für stabile Videokonferenzen schnell bereitgestellt hat. Corona sorgte hier also für einen technischen Digitalisierungsschub.

Klare Strukturen und offene Kommunikation

Die prinzipielle Umstellung auf das virtuelle Arbeiten war und ist für verschiedene Teammitglieder jedoch unterschiedlich schwierig gewesen. Vor allem unerfahrenere und introvertierte Studierende haben Schwierigkeiten den Anschluss zu behalten. Teammitglieder, die schon immer gerne selbstständig gearbeitet haben und generell eine höhere Resilienz aufweisen, kommen besser mit der derzeitigen Situation klar. Zudem hat jeder mit seinen eigenen privaten Angelegenheiten zu kämpfen: Kinderbetreuung, gesundheitliche Probleme… Wir haben gemerkt, dass wir im Team zusammenhalten und uns gegenseitig helfen müssen, um gemeinsam gestärkt aus dieser Pandemie hervorzugehen.

Eine klare Führung ist hier meiner Meinung nach einer der wichtigsten Faktoren, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team zu ermöglichen. Unsere Vorgesetzte, Dr. Dagmar Wachten, schafft klare Strukturen mit regelmäßigen Meetings, hat immer für jeden ein offenes Ohr und fördert somit Vertrauen. Besonders auffällig ist, dass es ihr damit gelingt, Unsicherheiten abzubauen und alle Mitglieder des Teams in ein Boot zu holen.

"So langsam merke ich jedoch eine deutliche Online-Müdigkeit und freue mich auf die ersten Präsenztermine."

Eine offene Kommunikation und feste Strukturen, aber auch gutes Selbstmanagement, sind das A-und-O für eine erfolgreiche virtuelle Zusammenarbeit. Deswegen habe ich zur Weiterbildung mehrere online Workshops von der Universität Bonn zu Themen wie Projektmanagement, Zeitmanagement und Leadership wahrgenommen. Das war anstrengend, aber auch sehr hilfreich für die Realisierung meiner Aufgaben als Kollegin und Mentorin im Team. Die momentane Situation braucht beiderseitiges Verständnis und Flexibilität von Vorgesetzten und Mitarbeitenden, was man sich immer wieder vor Augen führen sollte. Ich habe vor allem gemerkt, dass vermehrtes positives Feedback, selbst bei kleinen Erfolgen, jedem Teammitglied  – mich eingenommen – momentan besonders gut tut.

Was ich mir nach der Corona Zeit wünsche ist, dass wir eine flexible Arbeitsorganisation beibehalten. Der Arbeitsalltag einer Wissenschaftlerin ist ohnehin belastend, da sollten wir versuchen, die Vorzüge der virtuellen Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Viele Meetings können problemlos online abgehalten werden – das spart den Weg und die Zeit. So langsam merke ich jedoch eine deutliche Online-Müdigkeit und freue mich auf die ersten Präsenztermine, hoffentlich sehr bald in 2021.

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