Medizinstudierende in einem Anatomie-Seminar
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild / Waltraud Grubitzsch

Medizin
Ärzte fordern mehr Medizin-Studienplätze

Der Deutsche Ärztetag fordert von den Ländern mehr Medizin-Studienplätze. Staatliche Hochschulen müssten Ärzte wissenschaftlich fundiert ausbilden.

27.05.2022

Im Kampf gegen drohende Versorgungslücken und den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen fordert die deutsche Ärzteschaft spürbare Entlastungen im Klinikalltag sowie mehr Medizin-Studienplätze. Der 126. Deutsche Ärztetag bekräftigte am Donnerstag auf seiner Sitzung in Bremen seinen Appell an die Bildungs- und Wissenschaftspolitik, mehr Studienplätze in der Humanmedizin an staatlichen Universitäten in den Ländern zu schaffen. Bund und Länder müssten eine ärztliche Ausbildung sicherstellen, die wissenschaftlich und didaktisch hochwertig sei.

Seit vielen Jahren stünden nicht genügend Studienplätze an staatlichen Universitäten zur Verfügung, um eine bedarfsgerechte ärztliche Versorgung in allen Regionen Deutschlands sicherzustellen. Die Nachfrage übersteige die limitierte Anzahl der Studienplätze deutlich. Der private Sektor, der diese Lücke zunehmend fülle, könne "Bund und Länder nicht von ihrer Verantwortung entbinden, selbst ausreichend Medizinstudienplätze bereitzustellen", so der Ärztetag.

"Wir hatten mal 16.000, wir haben jetzt 11.000" Medizin-Studienplätze, sagte Dr. Günther Matheis, Vize-Präsident der Bundesärztekammer. "Die Auswirkungen spüren auch die Patienten jeden Tag." Schon in kürzerer Frist müssten aus Sicht der Bundesärztekammer mindestens 6.000 hinzukommen. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte die Länder zur Erweiterung des Studienangebots aufgerufen.

"Aber die Studienplätze allein sind es nicht", schränkte die Vizechefin der Bundesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen, ein. Auch die Medizinerausbildung selbst müsse reformiert werden. Studienanfänger seien in vielen Fällen "erst in zwölf bis 15 Jahren in der Versorgung angekommen – das ist nach unserer Auffassung eine zu lange Zeit." Und Frauen machten in Deutschland inzwischen 62 Prozent der Absolventen aus, doch würden besonders ihnen "nicht immer optimale Arbeitsbedingungen geboten".

Ärztetag gegen Homöopathie-Weiterbildungen

Die Ärztekammern sollen zudem künftig keine Weiterbildungen mehr für Homöopathie anbieten, hat das Plenum des Ärztetages beschlossen. "Es ist keine evidenzbasierte Medizin", sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, am Freitag der dpa. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, die Homöopathie guten Gewissens in der Weiterbildung zu behalten. Es werde aber kein Mediziner daran gehindert, Homöopathie weiter anzubieten.

Homöopathische Arzneimittel sollen den Körper dazu bringen, sich selbst zu heilen. Basis sind pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen. Die stark verdünnten Wirkstoffe werden meist als Tropfen, Tabletten oder Kügelchen (Globuli) verabreicht.

Der Bremer Beschluss verweist darauf, es fehlten wissenschaftliche Studien, die einen evidenzbasierten Einsatz der Homöopathie belegten. Damit fehlten auch die Grundsätze, nach denen in einer Weiterbildung der Wissenserwerb überprüft werden könne. Der Antrag der Bremer Ärztetag-Delegierten wurde bereits am Donnerstag angenommen – es handele sich um eine Empfehlung, die Umsetzung liege bei den Landesärztekammern, sagte Johannes Grundmann, Präsident der Bremer Ärztekammer, der dpa.

dpa/ckr

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