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Scientific Committee of Ukraine
Ukrainische Wissenschaftler appellieren an die Welt

Das Wissenschaftliche Komitee der Ukraine hat in einer drastischen Stellungnahme zum Handeln aufgerufen. Die Sanktionen gingen nicht weit genug.

23.03.2022

Ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme den Angriffskrieg Russlands auf ihr Land scharf verurteilt und die Weltgemeinschaft zum sofortigen Handeln aufgerufen. Der "Staatsterrorismus" Russlands in der Ukraine sei "ein Wendepunkt für die ganze Welt", der ihr Schicksal für die nächsten Jahrzehnte bestimmen werde, heißt es in dem Schreiben des Scientific Committee of Ukraine. Dies sei keine Übertreibung sondern die Bilanz der russischen Angriffe der vergangenen Wochen und Jahre, die in der Zivilbevölkerung massives Leid verursacht hätten. Der russische Faschismus, die Vorstellung eines russischen Imperiums, sei real existent und könne nur gewaltsam gestoppt werden.

Das Scientific Committee of Ukraine, das ukrainische Wissenschaftliche Komitee, besteht aus 24 ehrenamtlich tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und ist Teil des Nationalrats der Ukraine für Wissenschaft und Technologie, einem Beratungsgremium der Regierung.

Es sei "höchste Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen und die Dinge beim richtigen Namen zu nennen", erklärte das Komitee. Der Vorwurf richtet sich an die Politik und Wirtschaft weltweit, die in den Augen der Ukrainer die Gefahr, die von Russland ausgehe, seit Jahren unterschätzt, ignoriert oder absichtlich verharmlost habe. Nun müsse die zivilsierte Welt entschieden und ohne weitere Verzögerungen handeln, auch um ihr eigenes Schicksal zu entscheiden.

Russland soll wissenschaftlich komplett isoliert werden

Neben massiven und effizienten staatlichen sowie wirtschaftlichen Sanktionen sei es notwendig, Russland komplett vom wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt auszuschließen, um das Land militärisch zu schwächen. Die bereits in vielen Ländern abgebrochenen Wissenschaftsbeziehungen zu Russland seien richtig, aber nicht genug. Die russische Wissenschaft müsse nicht nur von Forschungskooperationen und Fördermöglichkeiten ausgeschlossen werden, sondern auch gänzlich von wissenschaftlicher Literatur. Hier seien die wissenschaftlichen Verlage gefragt.

Die breite öffentliche Unterstützung des russischen Volkes für den Krieg, einschließlich russischer Wissenschaftler, führt das Komitee auf jahrelange "Gerhirnwäsche" zurück. Der Krieg in der Ukraine sei ebenso wenig allein Putins Krieg, wie der Zweite Weltkrieg allein Hitlers Krieg gewesen sei, heißt es in der Stellungnahme. Vor diesem Hintergrund könne man die russischen Bürger und Wissenschaftler nicht mit Verweis auf die akademische Freiheit von Sanktionen ausnehmen.

Die zahlreichen initiierten Hilfsmaßnahmen für Forschende und Studierende aus der Ukraine in westlichen Ländern begrüßte das Komitee. Gleichzeitig warnte es vor einem Brain Drain und rief internationale Wissenschaftsorganisationen auf, auch denjenigen Akademikerinnen und Akademikern zu helfen, die in der Ukraine blieben. Sie bräuchten beispielsweise Unterstützung beim Umzug oder Wiederaufbau zerstörter Einrichtungen.

ckr

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