Das Foto zeigt eine Schreibmaschine als Teil einer Kunstaktion der Weißen Rose
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75 Jahre Weiße Rose Ein Hochschullehrer im Widerstand

Heute vor 75 Jahren wurden die ersten Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" hingerichtet. Welche Motive leiteten die Gruppe?

Von Felix Grigat 22.02.2018

Unter dem Losungswort "Weiße Rose" riefen die Münchner Studenten Hans und Sophie Scholl zusammen mit wenigen Freunden durch Flugblatt-Aktionen zum Widerstand gegen die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten auf. "Freiheit" war einer ihrer Kernbegriffe. "Freiheit" schrieb Sophie Scholl auf die Rückseite ihrer Anklageschrift. Hans und Sophie Scholl wurden dafür zusammen mit Christoph Probst zum Tode verurteilt und am 22. Februar 1943 von den Nationalsozialisten ermordet. Das ist nun 75 Jahre her.

Widerstand als "sittliche Pflicht"

Die Mitglieder der "Weißen Rose" orientierten sich an für sie unverbrüchlichen moralisch-christlichen Werten. Dabei waren sie auch stark beeinflusst von dem Denken und den inspirierenden Vorlesungen des Münchner Philosophieprofessors Kurt Huber. Vor seiner Verhandlung vor dem Volksgerichtshof hatte er sich einige Stichworte für seine Verteidigung notiert. Darin formulierte er auf eindringliche Weise seine Beweggründe für den Widerstand gegen das diktatorische Regime. Er betonte, dass er zugleich als "deutscher Hochschullehrer und als politischer Mensch" nicht nur das Recht, sondern die "sittliche Pflicht" habe, an der Gestaltung der deutschen Geschicke mitzuarbeiten, offenkundige Schäden aufzudecken und zu bekämpfen.

Das Foto zeigt ein Porträt von Professor Kurt Huber
Kurt Huber orientierte sich an der Philosophie Immanuel Kants ullstein bild - ullstein bild
Das Foto zeigt ein Denkmal für die Weiße Rose mit verstreuten Flugblättern
Mit dem einfachen Wort, verbreitet durch Flugblätter, wollte die "Weiße Rose" überzeugen. picture alliance/sueddeutsche zeitung Photo

Er wollte die Studierenden durch das "schlichte Wort" aufrütteln. Nicht zu gewaltsamem Widerstand wollte er aufrufen, sondern "zur sittlichen Einsicht in bestehende schwere Schäden des politischen Lebens". Es ging ihm um eine Rückkehr zum Rechtsstaat, zu gegenseitigem Vertrauen und um die Wiederherstellung der Legalität.

Kant und Fichte

Huber orientierte sich dabei an den Philosophien Kants und Fichtes. Er habe sich im Sinne von Kants kategorischem Imperativ gefragt, was geschähe, wenn die subjektive Maxime seines Handelns ein allgemeines Gesetz würde. Seine Schlussfolgerung: "Darauf kann es nur eine Antwort geben: Dann würden Ordnung, Sicherheit, Vertrauen in unser Staatswesen, in unser politisches Leben zurückkehren". Seine Hoffnung war dann, dass jeder sittlich Verantwortliche mit ihm und der Gruppe der Weißen Rose seine Stimme erheben würde gegen die drohende "Herrschaft der bloßen Macht über das Recht, der bloßen Willkür über den Willen des sittlich Guten". Für jede äußere Legalität gebe es eine "letzte Grenze", wo sie "unwahrhaftig und unsittlich" wäre. Ein Staat, der jegliche freie Meinungsäußerung unterbinde, der jede Kritik als Vorbereitung zum Hochverrat sehe, breche ein ungeschriebenes Recht, das im Volk noch immer lebendig war und bleiben müsse. 

Huber war sich bewusst, dass er für diese Überzeugung sein Leben einsetztê. In seiner Notiz schrieb er weiter: "Ich setze für diese Mahnung, für diese beschwörende Bitte zur Rückkehr, mein Leben ein. Ich fordere die Freiheit für unser deutsches Volk zurück. Wir wollen nicht an Sklavenketten unser kurzes Leben dahinfristen und wären es goldene Ketten eines materiellen Überflusses."

Hochschullehrer als "Bekenner"

Bis zuletzt verstand Huber sich auch als Hochschullehrer. Man habe ihm den Rang und die Rechte des Professors und den "summa cum laude" erarbeiteten Doktorhut genommen und ihn dem "niedrigsten Verbrecher" gleichgestellt. Die "innere Würde des Hochschullehrers, des offenen, mutigen Bekenners einer Welt- und Staatsanschauung, kann mir kein Hochverratsverfahren rauben". Er habe gehandelt, wie er aus einer inneren Stimme heraus handeln musste. Die Folgen nehme er auf sich. Dieses unbedingte Ethos war für die Geschwister Scholl und die anderen Mitglieder der Weißen Rose prägend.

Kurt Huber wird am 27. Februar 1943 verhaftet. Am 19. April 1943 wird er gemeinsam mit Alexander Schmorell und Willi Graf vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 13. Juli 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Kurt Huber wurde 49 Jahre alt.