Tor zum Harvard Yard auf dem Campus der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Die Inschrift lautet "Veritas. Öffne die Tore, so dass die rechtschaffene Nation, die die Wahrheit bewahrt, eintreten kann".
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Wiedergutmachung
Harvard zahlt 100 Millionen Dollar für Sklaverei-Vergangenheit

Die Universität Harvard erforscht ihre Verwicklungen in die Sklaverei. Sie investiert Millionen in die Wiedergutmachung.

28.04.2022

Das Erbe der Sklaverei ist noch heute präsent in offenen und verdecken Formen der Diskriminierung von "People of Colour" in den USA, wie der Präsident der Harvard University, Professor Lawrence S. Bacow am Dienstag in einer E-Mail an Studierende und Hochschulangestellte betonte. Daher sei es notwendig, dass die Universität alles ihr Mögliche tue, um ihren Anteil an diesem Erbe anzusprechen, so Bacow laut der Zeitung "Chronicle of Higher Education". Die Harvard University habe von Sklaverei profitiert und dazu beigetragen, dass das ausbeuterische System und seine "tief unmoralischen" Praktiken fortgesetzt wurden. Dies zeige ein 130-seitiger Bericht, der die Verbindungen der Universität mit dem System der Sklaverei analysiert und der Bacows Nachricht beigefügt war. Die Universität werde 100 Millionen Dollar dafür investieren, Empfehlungen des Berichts umzusetzen, obwohl sie zu diesen rechtlich nicht verpflichtet sei.

Im Bundesstaat Massachusetts, in dem sich die Universität befindet, sei Sklaverei noch bis 1783 legal gewesen. Sklaven hätten auf dem Campus gearbeitet, sowie Studierende und Angestellte unterstützt. Darüber hinaus hätte die Sklavenarbeit auch Anteil am Reichtum der Spender und Unterstützer der Hochschule gehabt, sodass die Universität indirekt profitiert habe. Bis zur Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1865 hätten zudem rassistische Regeln die Präsenz von Afro-Amerikanern auf dem Campus begrenzt.

Der Report erläutere, dass, neben der direkten Versklavung von Menschen, Forschende an der Universität bis 1850 daran gearbeitet hätten, die vermeintliche Überlegenheit der weißen Rasse zu bestätigen. Schwarze Studierende hätten sich gegen ungerechte Behandlungen zur Wehr gesetzt. Ebenso verweise der Report auf Schritte, die die Hochschule bereits unternommen habe, um ein Ort mit mehr Vielfalt und Diversität zu werden. Der Bericht empfehle die Unterstützung der Nachkommen von versklavten Menschen, etwa durch die Forschung oder die Ausbildung von Lehrkräften, die Förderung von Kooperationen mit historisch schwarz-dominierten Colleges und Universitäten und die Einrichtung eines Fonds, der die Reparationsbemühungen der Universität finanziere.

Der Bericht ist das Ergebnis der Arbeit eines seit 2019 eingerichteten präsidialen Komitees, das sich der Analyse der Sklaverei-Vergangenheit der Universität widmet. Er wurde unter Mitarbeit aller zur Hochschule gehörenden Colleges erstellt.

cpy